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APA-Artikel 1. Juni 2015

Gefälschte Medikamente aus dem Internet: Aufklärungskampagne

Wer rezeptpflichtige Medikamente im Internet ersteht, macht sich zwar nicht strafbar. Er geht aber das Risiko ein, ein gefälschtes Mittel zu kaufen, das im besten Fall wirkungslos und im schlimmsten Fall gesundheitsschädlich ist. Aus diesem Grund haben Behörden und Apothekerkammer eine Aufklärungskampagne unter dem Titel "Auf der sicheren Seite" gestartet, die am Montag in Wien präsentiert wurde.

Dass Information nottut, zeigt eine Umfrage unter Internet-Usern im Alter von 18 bis 70 Jahren, laut der praktisch jeder Zweite nicht wusste, dass der Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente über das Internet in Österreich verboten ist. Auch die Rezeptpflicht wird vielfach falsch eingeschätzt: 60 Prozent der Kenner eines Produkt glauben, dass testosteronhältige Medikamente - hormonelle Präparate zum Muskelaufbau - rezeptfrei im Internet erhältlich sind. 31 Prozent meinen, dass Potenzmittel wie Viagra rezeptfrei zu bekommen sind, wie Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) bei einer Pressekonferenz sagte. "Die AGES Medizinmarktaufsicht hat in den letzten Jahren mehr als 4.000 Verdachtsproben analysiert. 95 Prozent aller dieser getesteten Proben waren gefälschte oder illegale Produkte", berichtete Oberhauser.

"Das Internet ist zu einem Umschlagplatz für gefälschte Medikamente geworden", warnte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Und die enthalten im schlimmsten Fall Staub, Dreck und Gift, von Produktion und Handel profitiert die Organisierte Kriminalität in Dimensionen, die bereits mit denen des Drogenhandels verglichen werden. Hergestellt wird ein Gutteil der Fälschungen in Indien, China und Südostasien, wie Apothekerkammer-Präsident Max Wellan erläuterte. Erst jüngst sei eine Schiffsladung Schmerzmittel im französischen Hafen Le Havre abgefangen worden. Die WHO schätzt den Jahresumsatz auf 100 Milliarden US-Dollar.

Die Aufklärungskampagne der Ministerien und der Kammer besteht aus fünf Elementen: Eine Website mit der Adresse www.auf-der-sicheren-seite.at, Warnhinweisen bei Suchanfragen über Google, Werbebannern auf Sites, einem Youtube-Video und einer Postkartenaktion.

Die Umfrage im Auftrag der Apothekerkammer brachte auch zutage, dass 47 Prozent Medikamente in einem Online-Shop bestellen würden, wenn dieser seriös und professionell gestaltet ist. "Das wissen auch die Kriminellen", sagte Wellan. Unseriöse Anbieter im Internet zu erkennen, ist also nicht unbedingt einfach. "Dass gewisse Medikamente rezeptpflichtig sind, hat seinen guten Grund", sagte der Apothekerkammer-Präsident. Und der liegt in der Regel darin, dass eine Grunderkrankung abzuklären ist. Also ist auch ein Mann mit Viagra-Bedarf und damit verbundener Peinlichkeit gut beraten, zu einem Arzt zu gehen.

Die heimischen Apotheker starten am 25. Juni selbst einen Versandhandel - allerdings ausschließlich für rezeptfreie Arzneimittel.

apa.at

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