zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 1. Juni 2015

Österreichische Ärztetage: "Big Data" für neues Gesundheitswissen 1

Die anonymisierte Analyse riesiger Datenpools in Sachen Gesundheit soll neues Wissen für Medizin und Gesundheitspolitik bringen. Die Stichworte dazu heißen "Komplexitätsforschung und Big-Data-Revolution", wie der Wiener Experte Peter Klimek (MedUni Wien) Sonntagabend bei seinem Eröffnungsvortrag zu den Österreichischen Ärztetagen in Grado (bis 6. Juni) betonte.

"Die Lebenserwartung steigt, ebenso die Anzahl der Jahre mit Krankheit. Die Produktivität bei neuen Medikamenten hat abgenommen. Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels kostet schon rund fünf Milliarden US-Dollar (4,56 Mrd. Euro). Die Fehlerrate bei klinischen Studien beträgt derzeit 95 Prozent. Das Wachstum der Gesundheitsausgaben ist weltweit höher als das BIP-Wachstum. Wir müssen etwas anders machen", sagte Klimek.

Ein zusätzliches Werkzeug zu größerer Effizienz in der Medizin und in der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens könnte laut dem Experten die Analyse komplexer Sachverhalte unter Verwendung von großen Datenpools sein, die zu einem guten Teil sowieso schon vorliegen: Informationen über die Leistungserbringung (Diagnose, Therapie) in den Krankenhäusern, Verschreibungsdaten niedergelassener Ärzte über jahrelange Zeiträume hinweg, Informationen zu den Überweisungen von Allgemeinmedizinern an Fachärzte und Ambulanzen, Zusammenhänge zwischen dem Auftreten verschiedener Erkrankungen, sozialdemografische Informationen.

Die moderne EDV erlaubt es, alle diese Informationen mit geeigneter Software unter gewünschten Gesichtspunkten gemeinsam zu analysieren. Erst vor kurzem haben Klimek und seine Co-Autoren zwei erste wissenschaftliche Arbeiten zu typischen Komorbiditäten im Leben der Österreicher veröffentlicht. In einer Unterteilung nach Altersgruppen zeigte sich zum Beispiel: Kinder im Alter von null bis acht Jahren bekommen typischerweise Probleme mit den Mandeln, das Erstauftreten von Epilepsien ist ebenfalls relativ häufig. Zwischen neun und 16 Jahren nimmt die Dichte des "Krankheits-Netzwerkes" ab. In der Altersgruppe zwischen 33 und 40 tauchen dann zum ersten Mal Kreislauferkrankungen auf, ebenso Brust- und Prostatakrebs.

Die Altersgruppe zwischen 41- und 48 Jahren bekommt es in Österreich schließlich erstmals mit dem Metabolischen Syndrom (Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen) und mit gastrointestinalen Erkrankungen zu tun. Zwischen 49 und 56 Jahren entwickeln sich daraus die Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Infarkten, Schlaganfällen etc. Während in der darauf folgenden Altersgruppe (57 bis 64) die einzelnen Krankheits-Cluster dichter werden, aber noch getrennt zu sehen sind, wächst die Krankheitslast mit COPD, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose etc. danach immer mehr zusammen.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben