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APA-Artikel 28. Mai 2015

Spitalsärzte - KAV Wien: Zuschlag für Nachtdienste bleibt Streitpunkt

Im AKH sowie in den Ordensspitälern gibt es in der Frage der Umsetzung der neuen Arbeitszeitrichtlinien für Spitalsärzte bereits eine Einigung, im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) spießt es sich hingegen immer noch. Nach einem Gespräch zwischen Ärztekammer und Stadt am Donnerstag ist vor allem die Bezahlung der Nachtdienste weiterhin der größte Streitpunkt.

Zuvor hatte die Ärztekammer die bereits bestehende Einigung zwischen Stadt, Kammer und Gewerkschaft abgelehnt und einen Forderungskatalog von fünf Punkten an Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) übermittelt. "Wir haben vier Punkte zu 100 Prozent erfüllt", betonte Wehsely am Donnerstag vor Journalisten. Einzig die Frage der Nachtdienste - die Ärztekammer forderte eine bessere Entlohnung, vor allem an Wochenenden und Feiertagen - sei ungeklärt geblieben.

"Mehr Geld geht einfach nicht", erklärte die Stadträtin. Dabei gehe es auch um das Gefüge innerhalb der Stadt, denn vor allem die - von der Ärztekammer akzeptierte - Einigung in den Wiener Ordensspitälern würde sich stark an dem Gehaltsschema für den KAV orientieren. Gebe es nun für die KAV-Ärzte nachträglich eine Erhöhung, wäre das "ungerecht" und der Weg zu "Zwei-Klassen-Ärzten", meinte die Ressortchefin.

Genau an diesem Punkt könnte die Einigung nun aber erneut scheitern. "Wir haben einige Antworten auf unsere Fragen bekommen, jetzt werden wir in den Gremien diskutieren", erklärte der Präsident der Wiener Ärztekammer, Thomas Szekeres. Allerdings glaube er nicht, dass die Kurie bei ihrer nächsten Sitzung am 8. Juni zustimmen werde. Denn vor allem in Sachen Nachtdienste sei das Angebot "gar kein Schritt in unsere Richtung". Er sei daher "nicht zuversichtlich". Was eine Ablehnung für Konsequenzen hätte, konnte Szekeres heute noch nicht sagen.

Kritik übte die Kammer vor allem an dem Zuschlag von 75 Euro pro Nachtdienst, der sich auch an Sonn- und Feiertagen nicht erhöhe. Der tatsächliche Verdienst sei allerdings durch das bessere Grundgehalt sowie die regulären Zuschläge für Sonn- und Feiertagsstunden deutlich höher, rechnete die Stadt heute vor. Noch einmal erhöhe sich der "Wert" eines solchen Arbeitstages, wenn er auf Überstundenbasis geleistet werde. Zudem werde man das neue Gehaltsschema schon Ende 2015 evaluieren. "Wenn sich dann zeigt, dass die Ärzte keine Wochenendnachtdienste machen, werden wir wieder umschichten", versprach Wehsely. Sie gehe aber davon aus, dass es eher "ein G'riss" um die Dienste geben werde.

Andere Punkte bewertet Szekeres positiver: So erklärt sich die Stadt in ihrem Angebot bereit, im Zuge der Umsetzung der neuen Arbeitszeitrichtlinien nach dem Prinzip "Umschichtung vor Reduktion" vorzugehen. Ist also ein Dienstposten nach der Einführung des neuen Modells zu viel, wird dieser anderen Bereichen zugeordnet, in denen es derzeit zu wenige Ärzte gibt. "Wir verstehen das so, dass die Anzahl der Dienstposten gleich bleiben soll. Das ist ein ganz wichtiger Punkt", meinte der Ärztekammerpräsident, der das Gesprächsklima heute als "gemischt" beschrieb.

Entgegenkommen der Stadt gab es auch in Sachen Primarärzte: Ihre Gehaltsreform - und damit auch die Erhöhung ihrer Grundgehälter - war grundsätzlich für 2017 vorgesehen, nun sollen die neuen Modelle noch heuer vorliegen. Der KAV sei angewiesen worden, "umgehend mit Primarärztevertretern aller Häuser in Verhandlungen zu treten", so Wehsely.

Die neuen Dienstzeitmodelle sollen nur mit Zustimmung der betroffenen Ärzte eingeführt werden, lautete eine weitere Forderung der Kammer. Neben der Erarbeitung der Modelle durch die einzelnen Abteilungen selbst, wie es laut KAV schon jetzt passiert, soll das Personal nun zunächst anonym befragt werden. Die tatsächliche Umsetzung erfolgt dann nur mit Zustimmung des Abteilungsvorstands bzw. der Personalvertreter. Nach drei Monaten ist auch hier eine Evaluierung vorgesehen. Auch die Aufstockung des fachärztlichen Personals in den Zentralen Notaufnahmen - die letzte der Forderungen - laufe bereits.

Grundsätzlich könne sie nicht nachvollziehen, warum eine ähnliche Lösung in den Ordensspitälern als gutes Ergebnis begrüßt werde, im KAV aber auf solchen Widerstand der Ärztekammer stoße, meinte Wehsely. "Ich habe noch einmal Erklärungen geliefert und Entgegenkommen gezeigt. Wenn das nicht angenommen wird, dann kann und will man nicht", so die Stadträtin. Die Rahmenbedingungen zwischen Ordensspitälern und KAV könne man nicht vergleichen, meinte hingegen Szekeres: "In den Ordensspitälern ist auch die Wertschätzung gegenüber den Ärzten deutlich größer."

apa.at

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