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APA-Artikel 26. Mai 2015

Slowenische Ärzte wollen am Donnerstag streiken

Slowenische Ärzte treten am Donnerstag in einen 24-stündigen Generalstreik. Die Gewerkschaft der Ärzte und Zahnärzte FIDES kündigte den Arbeitsausstand an, nachdem ihre Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und Gehaltserhöhung auch nach einem einstündigen Warnstreik im April unerhört blieben, berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA.

Die Ärzte fordern, dass die Regierung ihre bereits im Jahr 2008 verfassten Vorschläge zu Standards für das öffentliche Gesundheitssystem annimmt. Demnach sollte die Patientenzahl bei einem Hausarzt um 30 Prozent auf rund 1.500 reduziert werden. Derzeit behandelt ein allgemeiner Arzt im Durchschnitt 2.200 Patienten. Um diese Zahl zu erreichen müsste es rund 300 neue allgemeine Ärzte geben. Außerdem wollen die Ärzte erreichen, dass die vorgeschriebene Zeit für die Behandlung von einzelnem Patienten vom sieben auf zwölf Minuten erhöht wird.

Darüber hinaus verlangen die Ärzte mehr Honorar. Sie möchten erreichen, dass das durchschnittliche Gehalt für Ärzte und Zahnärzte schrittweise erhöht wird, bis es das Dreifache des slowenischen Durchschnittsgehalts erreicht. Derzeit liegt die Ratio bei 1,89. Die Forderung der Ärztegewerkschaft würde eine Gehaltserhöhung von 40 Prozent bedeuten.

Nach den letzten verfügbaren Statistikdaten lag das durchschnittliche Gehalt in Slowenien im März bei rund 1.000 Euro netto bzw. 1.550 Euro brutto. Das Einstiegsgehalt beträgt in Slowenien nach Angaben von FIDES kaum 2.000 Euro netto.

Die Ärztegewerkschaft will damit die Regierung zu einer Reform des öffentlichen Gesundheitswesens bewegen, die seit mehreren Jahren säumig bleibt. Der für Donnerstag angekündigte Streik sei der Auftakt für die Verschärfung der Streikaktivitäten im kommenden Herbst, sollte es keinen Fortschritt bei der Gesundheitsreform kommen, warnt FIDES.

Unterdessen weigert sich die slowenische Gesundheitsministerin Milojka Kolar Celarc nach "der Erpressung" der Ärzte einzulenken, sagte sie neuerlich laut STA. Das Ministerium sei "sehr kooperationsbereit" gewesen, die Vorbereitung von neuen Normen und Standards sei am Laufen, hieß es. Die ersten Vorschläge soll es noch vor dem Sommer geben, danach plant das Ministerium Verhandlungen über deren Umsetzung in der Praxis. Deshalb sieht das Ministerium den Streik als überflüssig.

In Slowenien gab es bisher drei große Ärztestreiks. Am längsten haben die Ärzte im Jahr 1996 gestreikt, als die Arbeitsniederlegung drei Wochen lang andauerte. Der letzte große Protest passierte 2010. Das war kein klassischer Streik, damals haben 3.500 Ärzte keine Überstunden gemacht, was u.a. dazu führte, das zahlreiche geplante Operationen wegfielen.

apa.at

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