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APA-Artikel 22. Mai 2015

Wiener AKH bekommt Untersuchungsstelle bei Gewaltverdacht an Kindern

Nach einer ähnlichen Einrichtung an der medizinischen Universitätsklinik in Graz soll es bereits in Zukunft auch an der Universitäts-Kinderklinik in Wien eine "Forensische Untersuchungsstelle" für Kinder geben, bei denen Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch besteht. Dies berichtet die "Ärztewoche" in ihrer neuesten Ausgabe.

"Zukünftig sollen hier an sieben Tagen der Woche klinisch-forensische Dienstleistungen angeboten werden. Gerichtsmediziner erhalten die Möglichkeit, Gewaltopfer nach Zuweisung durch die Kinderschutzgruppen, das Jugendamt und die Polizei möglichst rasch nach der Tat zu untersuchen sowie die Spuren durch ein interprofessionelles Expertenteam zu sichern und zu dokumentieren (...)", heißt es in dem Bericht. Gestartet wurde der Service aber noch nicht, hieß es am Freitag im Wiener AKH.

Im Falle eines Misshandlungs- oder Missbrauchsverdachts bei Kindern ist jedenfalls eine möglichst schnelle Untersuchung notwendig. "Viel zu oft scheitern Verurteilungen nach Gewaltakten gegen Kinder an fehlenden Beweisen aufgrund einer fehlenden zeitnahen Diagnostik. Nur wo eine Anzeige vorliegt, kann der Staatsanwalt aktiv werden und einen Gutachter beauftragen. Bis dahin vergehen aber Wochen. Danach sind Spuren von Gewalt nicht mehr nachweisbar", wird Wolfgang Novak, Kinderarzt und Leiter der Kinderschutzgruppe am SMZ-Ost, in der Zeitschrift zitiert. Das Projekt sei vorerst einmal auf zwei Jahre angelegt und finanziert. Mit einer derartigen Einrichtung könne auch eine "gerichtstaugliche Beweissicherung" in solchen Fällen gewährleistet werden.

Den Hintergrund für die Initiative stellt die Beobachtung dar, dass wahrscheinlich viel zu wenige Fälle von Misshandlungen oder Missbrauch an Kindern "auffällig" werden. Laut einer Studie kommen in Wien nur fünf Prozent der Gefährdungsmeldungen bei Missbrauchsverdacht gegen Kinder aus den Spitälern oder von behandelnden Ärzten. 31 Prozent stammen demnach von der Polizei, 16 Prozent aus Schulen, zehn Prozent vom Magistrat weitere zehn Prozent erfolgen anonym, heißt es in der Zeitschrift. Das Pilotprojekt geht auf eine Kooperation der Wiener Kinderschutzgruppen mit dem Institut für Ethik und Recht in der Medizin und der Universitäts-Kinderklinik im AKH (MedUni Wien) zurück.

apa.at

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