zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 21. Mai 2015

Mehr "Ärzte ohne Grenzen" denn je aus Österreich in Krisengebieten

Mehr Einsatzkräfte denn je sind im vergangenen Jahr aus Österreich von "Ärzte ohne Grenzen" in Krisengebiete entsandt worden. Neben den aktuellen blutigen Kampfschauplätzen in Syrien, im Irak, der Ukraine oder im Jemen, war auch der Hilfseinsatz im Mittelmeer und bei der Ebola-Epidemie in Westafrika zentral, so der Jahresbericht 2014 von "Ärzte ohne Grenzen" (Medecins Sans Frontieres/MSF).

145 Einsatzkräfte wurden über das Wiener Büro in die Krisengebiete entsandt, das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekord in der 21-jährigen Geschichte der österreichischen Sektion. "Das ist ein Zeichen, wie dringend die Hilfe nötig ist", kommentierte Irene Jancsy, Leiterin der Kommunikationsabteilung der Hilfsorganisation vor Journalisten am Donnerstag in Wien. Österreicher leisteten zusammen 210 Hilfseinsätze in 38 Ländern. Insgesamt waren die Teams von "Ärzte ohne Grenzen" in 63 Ländern für Menschen in Not im Einsatz und führten mehr als 8,2 Millionen medizinische Behandlungen durch.

Die Hilfsorganisation finanziert sich zu hundert Prozent aus privaten Spenden. Sie wurde 2014 mit knapp 23,5 Millionen Euro durch 42.000 Privatspender aus Österreich unterstützt. Davon flossen knapp 18,9 Millionen Euro (75,8 Prozent) direkt in die medizinische und humanitäre Nothilfe in 28 Ländern. Mario Thaler, Geschäftsführer von "Ärzte ohne Grenzen Österreich": "Wir bedanken uns für das große Engagement. Zugleich appellieren wir weiter an Interessierte, sich für eine Mitarbeit zu bewerben. Aufgrund der vielen akuten Krisen sind wir auch jetzt auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften".

Weitere Schwerpunkte der Organisation waren die Einsätze in der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo und Haiti. Auch die langjährige Hilfe für Menschen mit HIV/Aids und Tuberkulose in Swasiland wurde fortgesetzt.

Weitere Einsätze laut dem Jahresbericht der Organisation im Überblick:

IRAK

"Ärzte ohne Grenzen" startete im Nord- und Zentral-Irak mehrere Noteinsätze. So versorgten Teams im August des Vorjahres Vertriebene, als die bewaffnete Gruppe "Islamischer Staat" (IS) den Bezirk Sindshar angriff. Im nördlichen Gouvernement Dohuk, wo Hunderttausende Schutz suchten, versorgten ab August vier mobile Kliniken Vertriebene.

JEMEN

Im Gouvernement Ad-Dhale boten die Teams medizinische Hilfe an, mehr als 47.000 Menschen wurden ambulant behandelt. Im Sommer wurden hier 300 Gewaltopfer operiert, bevor das Team evakuiert werden musste. Ein Team im Krankenhaus der Stadt Amran führte 2014 mehr als 2.300 Operationen und 25.300 Notfallbehandlungen durch. Zudem wurden 38 jemenitische Gesundheitseinrichtungen unterstützt.

SÜDSUDAN

"Ärzte ohne Grenzen" erhöhte die Zahl der Hilfsprogramme von 13 auf mehr als 20. Trotz der Gewalt waren Ende 2014 rund 3.550 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von "Ärzte ohne Grenzen" im ganzen Land im Einsatz. Sie arbeiteten in Spitälern und Gesundheitszentren, versorgten Familien in Vertriebenenlagern, setzten mobile Kliniken ein, behandelten mangelernährte Kinder und reagierten auf Krankheitsausbrüche. Im Bundesstaat Lakes sind Teams für rund 95.000 Menschen im Vertriebenenlager Minkamman im Einsatz. Über das Wiener Büro wurden 2014 insgesamt 38 Mal Einsatzkräfte in den Südsudan entsandt.

SYRIEN

"Ärzte ohne Grenzen" ist seit 2012 in Syrien tätig, kann aber nur in einigen Regionen im Norden des Landes arbeiten. Im Gouvernement Aleppo betreiben Teams drei medizinische Einrichtungen, in denen Verletzte behandelt, chirurgische Eingriffe und ambulante Behandlungen durchgeführt werden.

In einem Krankenhaus am Stadtrand von Aleppo führte das Team 2014 rund 22.000 ambulante und 12.300 notfallmedizinische Behandlungen sowie 800 Operationen durch. In der Provinz Idlib betreibt "Ärzte ohne Grenzen" das einzige Behandlungszentrum für Verbrennungsopfer in Nordsyrien. Im August, als zehntausende Menschen aus dem Nordirak über die Grenze flohen, versorgten mobile Kliniken die Vertriebenen auf beiden Seiten der Grenze, in den Vertriebenenlagern errichtete Ärzte ohne Grenzen Feldspitäler. Nachdem der IS Anfang 2014 fünf internationale Einsatzkräfte entführt hatte, von denen einige erst nach fünf Monaten freikamen, musste "Ärzte ohne Grenzen" sich aus Gebieten unter IS-Kontrolle zurückziehen.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben