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APA-Artikel 13. Mai 2015

Gerinnsel-Entfernung bei Schlaganfall erfolgreich

Seit der Publikation sehr positiver Studiendaten über den Einsatz von Kathetern, mit denen man bei einem Schlaganfall das Blutgerinnsel in einem Gehirngefäß entfernen kann, befindet sich die Akuttherapie solcher Patienten im Umbruch. Doch die Technik ist erst in Entwicklung. 15 Prozent der Patienten könnten davon profitieren, hieß es am Mittwoch bei der 24. European Stroke Conference in Wien.

"Vor 35 Jahren war der Schlaganfall eine ignorierte Erkrankung. Es gab keine Behandlung, keine strukturierte Versorgung. Die Neurologen waren viel mehr an Krankheiten wie der Epilepsie interessiert", sagte der Kongressorganisator, der deutsche Experte Michael Hennerici (Universitätsklinik Mannheim).

Die Situation hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch mehrere Entwicklungen dramatisch geändert. "Durch die Computertomografie und die Magnetresonanzuntersuchung wurde es erstmals möglich, zwischen einem ischämischen Schlaganfall (Blutgerinnsel in einer Gehirnarterie; Anm.) und einer Gehirnblutung zu unterscheiden. Dadurch wurde der Einsatz Gerinnsel-auflösender Medikamente (Thrombolyse mit der Biotech-Substanz rt-PA; Anm.) beim ischämischen Schlaganfall machbar", fügte der Neurologe hinzu.

Dann folgte das Konzept der spezialisierten "Stroke Units" für die Patienten. Aktuell sieht es danach aus, als könnte man innerhalb der ersten Stunden nach Auftreten der Schlaganfall-Symptome nach einem Thrombolyse-Versuch ohne bemerkbarem Erfolg noch zusätzlich versuchen, das Blutgerinnsel über ein an den Ort des Gefäßverschlusses vorgeschobenes Kathetersystem doch noch zu entfernen.

Freilich, die Entwicklung ist derzeit noch sehr in Fluss. "Zum ersten Mal ist gezeigt worden, dass man bei manchen Patienten durch die Kombination der Methoden einen guten Erfolg erzielen kann. Derzeit kommen dafür aber nur Patienten mit einem schweren Schlaganfall durch den Verschluss bestimmter Blutgefäße im Gehirn in Frage. Dies betrifft wahrscheinlich zehn bis 15 Prozent der Schlaganfallpatienten", sagte Hennerici.

Entscheidend ist weiterhin das sofortige Alarmieren des Notarztes beim Auftreten verdächtiger Symptome wie Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen etc. Das Zeitfenster für eine Thrombolyse- oder Kathetertherapie ist mit höchstens vier bis fünf, im Extremfall bis zu sechs Stunden, ausgesprochen klein. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser ist es - optimal wahrscheinlich innerhalb von 90 Minuten nach Auftreten der Symptome.

Allerdings gibt es noch erhebliche Möglichkeiten zur Verbesserung dieser Verfahren. So befinden sich die Kathetersysteme zur Blutgerinnsel-Entfernung aus dem Gehirn weiterhin in Entwicklung. Noch ist nicht klar, welches System sich in Zukunft durchsetzen wird. Zusätzlich ist die Zahl der Spezialisten, welche diese Technik beherrschen, noch gering. Für eine flächendeckende Versorgung an sieben Tagen der Woche und über 24 Stunden hinweg müssen erst die entsprechenden Expertenteams in "Stroke Units" gebildet und aufrechterhalten werden.

Völlig neue Methoden in der Rehabilitation

Auch wenn sich die Behandlungsmöglichkeiten beim akuten Schlaganfall derzeit verbessern, für die Masse der Patienten wird es in Zukunft weiterhin auf eine möglichst gute Rehabilitation ankommen. "Auch hier haben sich die Paradigmen drastisch verändert", sagte Volker Hömberg, Neurologe einer spezialisierten Abteilung in Bad Wimpfen (Deutschland) bei der Pressekonferenz anlässlich der Konferenz.

Die Neurologen und Rehabilitationsspezialisten stützen sich dabei immer mehr auf die Modulation der Fähigkeiten des Gehirns, das viel plastischer und veränderbarer ist als man dies früher dachte. "Wir können zum Beispiel das 'Interesse' des Gehirns für eine durch einen Schlaganfall geschädigte Region des Körpers neu wecken", berichtete Hömberg.

Hat ein Patient nach einem Schlaganfall beispielsweise eine Lähmung an einer Hand, kann man über einen mit Elektroden versehenen Handschuh mit Stromfrequenzen eine Stimulation herbeiführen. Danach ist ein Bewegungstraining deutlich wirksamer als ohne eine solche vorangehende Stimulation. In Entwicklung befinden sich auch Verfahren zur direkten Stimulierung bestimmter von einem Schlaganfall betroffener Gehirnareale durch die Schädelknochen hindurch.

"Schließlich kann man auch mit intelligenten Roboter-Systemen Patienten mit Lähmungen besser trainieren", sagte der Fachmann. Das gilt auch für Patienten nach unfallbedingten teilweisen Querschnittlähmungen. An der Konferenz nehmen bis 15. Mai rund 3.500 Experten teil.

apa.at

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