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APA-Artikel 7. Mai 2015

Herzinsuffizienzpatienten benötigen strukturierte Versorgung

In Österreich leiden rund 300.000 Menschen an chronischer Herzschwäche. Ideal wäre eine flächendeckend vorhandene, strukturierte Versorgung dieser Patienten. Das fehlt, wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien aus Anlass des Europäischen Tages der Herzinsuffizienz am Freitag (7. Mai) festgestellt.

"Die Herzinsuffizienz ist nach wie vor ein völlig unterschätztes Problem, bezüglich der Häufigkeit, der Gefährlichkeit und der Kosten", sagte Deddo Mörtl, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) und Herzinsuffizienzspezialist am LKH St. Pölten. Ein Mensch mit heute 40 Jahren hat bereits ein 20-prozentiges Risiko, im Laufe des Lebens eine chronische Pumpschwäche des Herzens zu entwickeln. Mit 50 beträgt das Lebenszeitrisiko dafür bereits 30 Prozent. Im Fall des Falles liegt die Sterblichkeit innerhalb von fünf Jahren 50 bis 80 Prozent. Oft werden Symptome - Atemlosigkeit bereits bei geringer Belastung, Beinödeme etc. - viel zu lange von den Betroffenen ignoriert.

Die chronische Herzschwäche verursacht rund zwei Prozent der Kosten im Gesundheitswesen, 70 Prozent davon entfallen auf Spitalsaufnahmen. Das Risiko für "Drehtürpatienten" ist hoch. 25 Prozent der mit der Diagnose Herzinsuffizienz aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten müssen innerhalb von drei Wochen neuerlich in eine Klinik aufgenommen werden, berichtete Mörtl.

Eine zu schwache Koordination zwischen niedergelassenen Ärzten, Spitalsambulanz bzw. Kliniken sowie ein zu loses Netz für die Überwachung und Betreuung der Patienten zu Hause, beispielsweise via speziell geschulte Pflegekräfte und/oder telemedizinische Einrichtungen, führen zu einer nicht optimalen Therapie. "Es gibt sehr gute Behandlungsmöglichkeiten. Eine adäquate Therapie kann die Lebenserwartung mindestens verdoppeln", sagte der Kardiologe.

Eine Studie im Auftrag des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger hat erst vor kurzem ergeben, dass rund die Hälfte der Herzinsuffizienzpatienten die verschriebenen Medikamente nicht in ausreichernder Form einnimmt, betonte Hauptverband-Chef Peter McDonald. "Im Rahmen der Gesundheitsreform ist festgelegt worden, dass man die Patienten mit der Volkskrankheit Herzschwäche in eine strukturierte Betreuung bringen will."

Solche Pilotprojekte, in denen der Informationsfluss zwischen Allgemeinmedizinern, niedergelassenen Allgemeininternisten, Kardiologen, spezialisierten Spitalsambulanzen und den dahinter stehenden Krankenhausabteilungen optimiert und auch eine engmaschige Überwachung des Zustands der Patienten zu Hause erfolgt, hat es in der Vergangenheit bereits mehrere in Österreich gegeben. Derzeit entsteht eines in St. Pölten und Umgebung, sagte Lothar Fiedler, NÖ-Kardiologe und Bundesfachgruppenobmann Interne Medizin der Österreichischen Ärztekammer. Die Abteilung Mörtls im LKH St. Pölten ist daran beteiligt, unterstützt wird das auch durch die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse. Trotzdem bleibt das Problem der flächendeckenden Betreuung dieser Patienten in einem solchen Programm in ganz Österreich offen. Der Kardiologe betonte: "Wir würden uns schon wünschen, dass man über solche Pilotprojekte hinausgeht."

apa.at

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