zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 28. April 2015

Krankenhaus-Infektionen lassen sich zu 80 Prozent verhindern

Krankenhaus-Infektionen und postoperative Wundinfektionen haben nicht nur problematische medizinische Konsequenzen, sondern verursachen auch erhebliche Kosten. Sie können laut Studien zu bis zu 80 Prozent verhindert werden, hieß es jetzt beim Europäischen Infektionskongresses ECCMID 2015 in Kopenhagen. Er ging am Montag zu Ende.

Durch die Einführung gezielter Prophylaxe-Maßnahmen gegen postoperative Wundinfektionen (surgical site infections, SSI) ließ sich die Infektionshäufigkeit nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zwischen 2007 und 2012 um 80 Prozent reduzieren. Das zeigt eine beim ECCMID präsentierte Auswertung der Daten von 3.553 Patienten. 2007 wurde an der MHH ein Überwachungsprogramm für SSI eingeführt, 2010 ein Paket von Prophylaxe-Maßnahmen implementiert, das unter anderem Hautdesinfektion im Operationsareal, Händehygiene, Antibiotikaprophylaxe oder den für die Verankerung der Prothese verwendeten Zement betrifft.

In der in Kopenhagen bei dem Kongress mit rund 10.000 Teilnehmern präsentierten Analyse identifizierten die Wissenschafter aus Hannover auch eine Reihe von Faktoren, die bei Knieprothesen-Operationen mit einem erhöhten SSI-Risiko assoziiert sind. Dazu gehören unter anderem Nachblutungen, eine gestörte Wundheilung, eine OP-Dauer von mehr als drei Stunden, eine blutverdünnende Therapie, ein Body-Mass-Index (BMI) von 40 oder mehr, Hauterkrankungen oder Rauchen. Männer waren häufiger von SSI betroffen als Frauen, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Eine Reihe von Präsentationen auf dem ECCMID setzte sich mit Maßnahmen auseinander, mit denen gesundheitspolitische Entscheider auf das Problem von Krankenhausinfektionen reagieren. So stellten etwa Experten vom Staten Serum Institut in Kopenhagen die neue "Hospital Acquired Infections Database" (HAIBA) vor, die im Jänner 2015 online gegangen ist. "HAIBA wurde mit dem Ziel entwickelt, automatisch, kontinuierlich und zeitnah Überwachungsdaten aus bestehenden Quellen zu liefern", berichteten Sophie Gubbels und ihre Kollegen beim ECCMID.

Eine andere Maßnahme hat sich in der dänischen Hauptstadt bereits als nützlich erwiesen, wie Experten vom Rigshospitalet Kopenhagen auf dem ECCMID berichteten. 2010 hatte die Region Kopenhagen das politische Ziel formuliert, die Zahl von Krankenhaus-assoziierten Infektionen um 50 Prozent zu reduzieren. Zu diesem Zweck wurde unter anderem eine regionale interdisziplinäre Task Force eingerichtet. Diese habe sich als "sehr sinnvoll für den Wissensaustausch und die Entwicklung von Verbesserungsmaßnahmen" erwiesen, berichteten die Experten.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben