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APA-Artikel 22. April 2015

Neues AKH-Zentrum bündelt Medizin rund um Operationen

Am Wiener AKH mit den Universitätskliniken sollen in Zukunft die Chirurgen und Anästhesisten rund um Operationen - bei der "Perioperativen Medizin" - auf einem neuen Niveau zusammenarbeiten. Ein entsprechendes Zentrum wurde jetzt gegründet und wird Donnerstag mit einem Symposium gestartet.

"Ich bin noch damit 'aufgewachsen', dass es bei großen und schwierigen Operationen, zum Beispiel bei Eingriffen an Leber oder komplexen Operationen im Bauchraum eine Sterblichkeit von 20 oder 25 Prozent gegeben hat. Heute haben wir bei solchen Eingriffen eine Sterblichkeit von zwei Prozent und darunter", sagte der Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien, Michael Gnant, gegenüber der APA.

Genauso habe sich die Anästhesie verbessert. Allerdings seien die beiden medizinischen Fachgebiete dabei bisher jeweils eher getrennte Wege gegangen. "Wenn man früher von einem Mortalitätsrisiko bei einer allgemeinen Narkose von eins zu 1.500 sprach, dann liegt es jetzt drastisch darunter", fügte Gnant hinzu. Der Qualitätszuwachs für Chirurgie und Anästhesie in Kombination habe sich aber nicht gleichermaßen stark wie in den Einzeldisziplinen erhöht.

Ein Problem, mit dem speziell die Anästhesisten konfrontiert sind: Höchst betagte Patienten, bei denen der chirurgische Eingriff an sich "handwerklich einfach" ist, die jedoch aufgrund mehrfacher Grunderkrankungen ein sehr hohes Risiko für Komplikationen haben.

Deshalb sollen die Anästhesisten und Chirurgen im Wiener AKH nun von der Indikationsstellung für eine Operation über die Operation hinweg zur Intensivstation, der Übersiedelung des Patienten auf eine Normalstation bis hin zur Nachbetreuung ein gemeinsames Management aufbauen. "Da geht es um Qualitätsmanagement und um Patientensicherheit. Es zeigt sich, dass es an den Schnittstellen zwischen den einzelnen Phasen der Patientenversorgung noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt", sagte Gnant. Man will auch durch den Einsatz von aus beiden Fachrichtungen bestückten "Kontrollteams" die Entwicklung des Zustandes der einzelnen Patienten noch engmaschiger beobachten.

An einer Universitätsklinik wie im Wiener AKH sollte das deutliche Auswirkungen haben. "Die Chirurgie ist bei uns für 45 Prozent der 'Einnahmen' verantwortlich, ebenso für 35 Prozent der Ausgaben. Wir sind also ein Aktivposten. Die Anästhesie um Prof. Klaus Markstaller und die Chirurgie verfügen über fast 500 Ärzte. Das ist etwa ein Drittel des ärztlichen Personals im AKH", sagte der Klinikchef.

Neu konfiguriert werden sollen auch Kooperation, Personaleinsatz und Ausbildung. "In der Chirurgenausbildung sind wir gerade dabei, ein Curriculum von der Ausbildung an Simulatoren, am Computer, am Schwein und an Leichen zu entwickeln, bei dem der angehende Chirurg bei seiner ersten Operation an einem Patienten schon so 'erfahren' ist, dass man ihn wirklich schon 'loslassen' kann."

Für 'Manufaktur'-Operationen, für die die Universitätsklinik im AKH ein für die Ostregion oder ganz Österreich tätiges Expertenzentrum sei, wolle man die jeweils besten Fachleute zusammenholen. Bei den Tausenden Routineeingriffen geht es um ein weiteres 'Streamlinen' mit vermehrter Tages- und ambulanter Chirurgie."

apa.at

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