zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 21. April 2015

Wiener Kinderpsychiater Max Friedrich wird 70

Auf vielen Ebenen für die Rechte der Kinder und Jugendlichen unterwegs: Max H. Friedrich, ehemals Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Wiener AKH, wird am kommenden Montag (26. April) 70 Jahr alt.

Geboren wurde Friedrich am 26. April 1945 in Klosterneuburg. 1964 maturierte er in Gänserndorf. Das Medizinstudium schloss Friedrich 1971 ab, bis 1977 wurde Friedrich zum Facharzt für Psychiatrie und Neurologie ausgebildet. Es folgte bis 1980 die Zusatzausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie. 1976 bis 1991 arbeitete Friedrich an der Wiener Klinik. Mit 1. Oktober 1991 wurde er zunächst supplierender Vorstand der damaligen Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalter, am 1. Dezember wurde der Psychiater zum ordentlichen Universitätsprofessor und Vorstand der Klinik ernannt.

Friedrich ist mit einer Wiener Gerichtsmedizinerin verheiratet und Vater von vier Kindern. Sich selbst hat er einmal am Rande eines Vortrags als "lauten Vater" bezeichnet, der sich eben in der Wohnung der Familie in Wien den Weg durch die lokalen Wirrnisse bahnen habe wollen.

Die ernste Seite der beruflichen Karriere von Friedrich: Der Missbrauch von Kindern, der Schutz vor Gewalt und die Betreuung von traumatisierten Opfern waren immer seine Themenschwerpunkte. So war der Kinderpsychiater auch an vorderster Front engagiert, als es darum ging, Wege zu finden, wie man Kinder als Opfer von Sexualtätern entwürdigenden Vernehmungen vor Gericht schützen kann. Solche Vernehmungen erfolgen jetzt im Vorverfahren ohne direkten Kontakt mit dem Verdächtigen.

Ins Rampenlicht kam Max Friedrich auch durch die Beteiligung an der Betreuung von Natascha Kampusch nach ihrer Flucht aus achtjähriger Gefangenschaft im Jahr 2006. Bei einem Runden Tisch zum Thema Kinderschutz vor wenigen Tagen in Wien sagte er - auch als Konsequenz der aktuellen Debatte über Kindermissbrauch: "Wir leben in einem reichen Land, für den Schutz der Kinder brauchen wir aber Geld, Geld und noch einmal Geld."

Mehrfach hat sich Friedrich in den vergangenen Jahren auch kritisch zur Entwicklung des österreichischen Schulwesens ausgesprochen. Die Schule funktioniere zunehmend so wie die globalisierte Industrie, meint er: Kinder würden als "Rohmaterial" betrachtet, die "Bearbeitung" finde außerhalb der Schule (Nachhilfe etc.) statt, die Schule engagiere sich zunehmend nur noch in der "Produktkontrolle", meinte der Kinderpsychiater.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben