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APA-Artikel 15. April 2015

AKNÖ warnt: Soziale Absicherung im Krankheitsfall wird ausgehöhlt Untertitel

Krankmeldungen sind immer noch - oder schon wieder - ein Konflikthema in der Arbeitswelt. Ein Lkw-Fahrer, der mit einem geschwollenen Knie seinen Lkw im Fuhrpark abstellte, wurde noch während des Aussteigens gekündigt. Ein Krankenstand lag in der Luft. "Das ist ein Extremfall", sagte die Leiterin der AKNÖ-Arbeitsrechtsabteilung, Mag. Doris Rauscher-Kalod, "doch in Arbeiterberufen mit kurzen Kündigungsfristen sind ArbeitgeberInnen mit Kündigungen bei Krankmeldungen schnell zur Hand." Das höhlt die soziale Absicherung bei Krankheit zunehmend aus, waren sich viele Anwälte, Richter und Arbeitsrechtsexperten bei einer Fachtagung in der Niederösterreichischen Arbeiterkammer einig.

Dr. Johannes Zahrl, Kammeramtsdirektor der Österreichischen Ärztekammer, wies auf die glasklare gesetzliche Regelung bei Krankschreibungen hin: "Eine Krankschreibung darf nur nach ärztlicher Untersuchung ausgestellt werden. Jede Krankschreibung ist ein ärztliches Gutachten, und es gilt die ärztliche Schweigepflicht." Eine fernmündliche Krankschreibung oder gar eine Krankschreibung durch Arztangestellte sind verboten. Den ÄrztInnen drohen in solchen Fällen ernste juristische Folgen. Ass.-Prof. Dr. Elias Felten, Universität Salzburg: "Von der Judikatur geklärt ist, dass ArbeitnehmerInnen auf die Richtigkeit der Arbeitsunfähigkeitsbestätigung vertrauen können. Eine Entlassung kann niemals zulässig sein, wenn die Krankmeldung nicht unverzüglich beim Dienstgeber erfolgt. Nach dem Gesetz droht nur der Verlust der Entgeltfortzahlung."

Einen Tipp von Mag. Markus Trauner von der GKKNÖ: "Nur Kassenärzte müssen die Krankmeldung an die Krankenkasse melden, Wahlärzte - und davon gibt es immer mehr - müssen das nicht. Hier muss sich die/der PatientIn selbst darum kümmern, sonst kann Krankengeld verloren gehen." Die Zahl der Krankenstandstage in NÖ ist übrigens stark rückläufig seit 1965 (von 18,6 auf 10,2 Tage), ein Plus ist allerdings bei den psychischen Erkrankungen zu verzeichnen. Heikles Thema, die Erreichbarkeit im Krankenstand Da es keine Teil-Krankheit gibt, ist auch eine Teil-Arbeit im Krankenstand nicht möglich, sagte Ass.-Prof. Dr. Elias Felten von der Universität Salzburg bei dieser Veranstaltung. "Eine Informationspflicht des Dienstnehmers gilt auch nur in ausgewählten Fällen und unter dem Kriterium der Zumutbarkeit."

Der Chef/die Chefin kann also nicht davon ausgehen, dass der/die erkrankte ArbeitnehmerIn laufend für Auskünfte bereitzustehen hat. Rauscher-Kalod: "Einer/m an Burn-out erkranktem ArbeitnehmerIn ist es sicher nicht zumutbar, mit der Firma laufend in Kontakt zu stehen. Das wäre der Heilung vermutlich nicht förderlich." AKNÖ-Arbeitsrechtsexperte Mag. Stephan Blumencron machte auf eine bedenkliche Entwicklung aus der Beratungspraxis aufmerksam: "Bei fast jeder zweiten Beratung, die sich mit dem Krankenstand beschäftigt, erkundigen sich die ArbeitnehmerInnen auch über das Thema Kündigung im Krankenstand." Wer um seine Gesundheit bangt, muss allzu oft um seinen Arbeitsplatz zittern.

Rückfragen: Abteilungsleiterin Mag. Doris Rauscher-Kalod, Tel. 05-7171-1410

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