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APA-Artikel 8. April 2015

Palliativmedizin-Vertreter: Langer Weg zu flächendeckender Versorgung

Die Chancen für den Ausbau des Angebots zur Begleitung Schwerkranker stehen nach Ansicht von Experten grundsätzlich so gut wie nie. Wegen verworrener Zuständigkeiten und unklarer Finanzierung sei es aber noch ein langer Weg zur flächendeckenden Versorgung mit Hospizen und Palliativmedizin, beklagten Vertreter der Fachrichtung am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Hoffnungsvoll stimmt die Experten die Parlamentarischen Enquete zur Hospiz- und Palliativmedizin im März und die darauf folgende einstimmige Annahme des Kommissions-Berichts im Nationalrat. Die Politik wisse seither, dass es nicht anders gehe, als "hier etwas zu tun", so der Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft, Harald Retschitzegger, anlässlich des morgen, Donnerstag, beginnenden 5. Österreichischen Interdisziplinären Palliativkongresses. Probleme machen in der Praxis vor allem undurchsichtige Zuständigkeiten in den Ländern und seitens des Bundes und die vielen verschiedenen Zugänge in den einzelnen Bundesländern, erklärte Leena Pelttari, Geschäftsführerin des Dachverbandes Hospiz Österreich.

Mit Blick auf diese "bunte Landschaft" forderten die Experten eine österreichweite Regelfinanzierung. Die Politik würde diesen Ball trotz des Bekenntnisses zur Weiterentwicklung allerdings noch hin und her schieben, so Retschitzegger. Als "desaströses Zeichen" wertete der Palliativmediziner Herbert Watzke von der Medizinischen Universität Wien, dass seitens der Landespolitik seit dem einstimmigen Bekenntnis im Nationalrat keine Initiativen gesetzt wurden. Die Landeshauptleute würden die Abstimmung im Parlament negieren.

In der Ausbildung angehender Mediziner ist die Auseinandersetzung mit Palliativmedizin nun zwar verpflichtend, was in Zukunft auch zu mehr Sensibilität und Wissen seitens der Praktiker im Umgang mit unheilbar Kranken und Schmerzpatienten führen werde. Eine anerkannte Facharztausbildung gibt es in Österreich aber immer noch nicht, wie Watzke betonte. In England wurde das hingegen schon vor 28 Jahren realisiert. Auch seitens der praktizierenden Ärzte gebe es mittlerweile mehr Interesse. Das zeige auch die rege Teilnahme am dreitägigen Kongress "Menschen - Würde im Fokus von Palliative Care" (9. bis 11. April) in Wien, so der Kongresspräsident.

Die Veranstaltung sei unter anderem als Vernetzungstreffen für Menschen mit unterschiedlichen Ausbildungshintergründen, die in dem Gebiet arbeiten, gedacht. Unter den ungefähr 900 Teilnehmern sind neben Ärzten auch Vertreter aus pflegenden Berufen, Sozialarbeiter, Psychologen, Seelsorger sowie Vertreter anderer Berufsgruppen. Das Niveau der wissenschaftlichen Beiträge sei im Vergleich zu vorangegangenen Kongressen in allen Bereichen gestiegen, freute sich Watzke.

Besonders wichtig in der Hospiz- und Palliativarbeit seien die ehrenamtlich tätigen Personen, war sich das Podium einig. 2013 waren in Österreich 3.283 ehrenamtliche Mitarbeiter in 156 Hospizteams im Einsatz. Diese haben in insgesamt fast 237.000 Stunden über 11.000 schwerkranke Patienten und deren Angehörige direkt begleitet. 87 Prozent der Ehrenamtlichen waren Frauen. Die Männer würden allerdings langsam aufholen, erklärte Pelttari.

(S E R V I C E - Internet: http://www.palliativ.at/aktuell/palliativkongress-2015.html)

apa.at

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