zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 2. April 2015

24-Stunden-Pflege: Betreuer und Vermittler werden getrennt

Bei der 24-Stunden-Betreuung gibt es eine organisatorische Änderung. Wie schon bei der Regierungsklausur angekündigt, werden Personenbetreuer und Vermittlungsagenturen gewerberechtlich getrennt. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat die entsprechende Gesetzesänderung jetzt in Begutachtung geschickt. Geschaffen wird ein eigenes Gewerbe "Organisation von Personenbetreuung".

Allerdings soll es laut vorliegendem Entwurf weiterhin zulässig sein, dass der einzelne Personenbetreuer die eigene Vertretung in Fällen organisiert, in denen er vorübergehend seinen vertraglichen Pflichten gegenüber der betreuungsbedürftigen Person nicht nachkommen kann, beispielsweise durch Krankheit. In diesem Zusammenhang können auch andere Personenbetreuer vermittelt werden, ohne dass dazu eine weitere Gewerbeberechtigung erlangt werden muss.

Am Berufsbild der Vermittlungsagenturen ändert sich nicht viel. Dazu zählen weiterhin Tätigkeiten wie die Organisation der mit dem Betreuungsverhältnis verbundenen Formalitäten, die Beratung mit Blick auf die Bedürfnisse der betreuungsbedürftigen Person oder die Einteilung von Vertretungen bei Erkrankung oder sonstiger Verhinderung des Personenbetreuers.

Festgelegt werden im Gesetz längere Übergangszeiten. Gewerbetreibende, die schon bisher das Gewerbe der Personenbetreuung ausgeübt haben, sind bis Ende kommenden Jahres berechtigt, Tätigkeiten der Organisation von Personenbetreuung auszuüben.

Hilfsorganisationen bewerten die Novelle positiv. Ein Geburtsfehler bei der Legalisierung der 24-Stunden-Betreuung werden nun offenbar korrigiert, meint Hilfswerk-Präsident Othmar Karas in einer Aussendung. Denn auch wenn seiner Ansicht nach das System insgesamt gut funktioniert, gebe es im Bereich der Vermittlung Probleme.

Etliche Vermittlungsagenturen seien offenbar mit einer Goldgräbermentalität gegründet worden, ohne das entsprechende fachliche Know-how im Hintergrund zu haben. In letzter Zeit häuften sich auch die Berichte über Personenbetreuerinnen, die in Bussen nach Österreich gebracht würden und auf der Straße gehbehinderte Personen auf einen Bedarf nach Personenbetreuung ansprechen, ebenso Berichte über offenbar illegale Vermittlungspraktiken in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Zudem würden die Personenbetreuer selbst oft ungerecht behandelt.

Mit der Trennung der Gewerbe könne nun erstmals auf einer rechtlichen Basis identifiziert werden, wer als Vermittler tätig sei, hofft Karas. Über die Zahl der derzeit in Österreich tätigen Vermittlungsagenturen gebe es bisher nur Spekulationen.

Auch die Caritas ortet Handlungsbedarf. Längst sei es zu einem Wildwuchs bei billigsten und unseriösen Agenturen gekommen, berichtet Caritas Wien-Generalsekretär Klaus Schwertner. Damit sei es auch kaum möglich, einheitliche Qualitätsstandards durchzusetzen - einerseits auf Kosten der Betroffenen, die die Betreuung dringend benötigten, andererseits aber auch auf Kosten der Personenbetreuerinnen selbst, die mitunter sehr zweifelhaften Vermittlungsagenturen ausgeliefert seien.

Schwertner fordert jedoch noch weitere Schritte ein: "Die rasche Einführung eines Qualitätsgütesiegels wäre aus Sicht der Betroffenen das Gebot der Stunde. Ein solches Gütesiegel sollte auch an geeignete und verpflichtende Instrumente zur Qualitätssicherung geknüpft werden."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben