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APA-Artikel 25. März 2015

Grüne wollen striktere Antibiotika- und Infektionsüberwachung

Die Grünen wünschen in Österreich striktere Regelungen in Sachen Antibiotikaverwendung und Infektionsüberwachung. Zwei Entschließungsanträge bringen Gesundheitssprecherin Eva Mückstein und ihre Parteifreunde im Parlament heute, Mittwoch, und am Donnerstag im Nationalrat ein. Laut den offiziellen Berichten in Österreich und der EU ist Österreich in Sachen Resistenzen in einer recht guten Position.

Die Grünen wollen, dass der Nationalrat eine Aufforderung an das Gesundheitsministerium beschließt, mit den ärztlichen Fachgesellschaften und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger Bundesleitlinien für den "therapeutischen Einsatz von Antibiotika" zu erstellen. Schnelltests, welche in der Praxis relativ leicht unterscheiden lassen, ob eine bakterielle oder eine virale Infektion vorliegt, sollten durch alle Krankenkassen bezahlt werden.

Der zweite Antrag zielt auf die Etablierung eines "verpflichtenden und für die Bevölkerung transparenten Meldesystems von Infektionen mit Spitalskeimen" sowie "bundesweit einheitliche und verbindliche Hygienequalitätsstandards" ab. Eine verpflichtende Veröffentlichung der Rate der Spitalsinfektionen, welche Patienten einen Hinweis auf mögliche Hygieneprobleme in einem Krankenhaus oder einer Abteilung geben könnte, wird seit langem gefordert. "Die Meldung von Spitalsinfektionen sollte generell verpflichtend sein", sagte vor kurzem auch der WHO-Hygieneexperte Didier Pittet (Universitätsklinik Genf) im Gespräch mit der APA.

Ein Aspekt der Spitalskeimproblematik ist die Verbreitung von potenziell gefährlichen Clostridium difficile-Infektionen. In Österreich gibt es eine "Meldepflicht von Erkrankungsfällen an einer schwer verlaufenden Clostridium difficile assoziierten Erkrankung und von Todesfällen", betonte der Leiter des Geschäftsfeldes für Öffentliche Gesundheit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Franz Allerberger vor kurzem bei einer Pressekonferenz.

Die gemeldeten Zahlen sprechen aber für massiv zu wenige Meldungen. 2010 wurden 110 Erkrankungen registriert (15 Todesfälle). 2013 waren es dann 241 (84 Todesfälle). Laut den vorläufigen Daten von 2014 gab es demnach 172 schwere Erkrankungen, von denen 27 letal verliefen. Doch, wie Allerberger Ende Jänner betonte: "Die Meldezahlen sind nur die Spitze des Eisberges." Wie der Experte erläuterte, haben alle Hochrechnungen aus österreichischen Krankenhausstudien zu diesem Thema bisher jährliche Erkrankungszahlen rund 7.000 Fällen mit Clostridium difficile erbracht. Da die Sterblichkeit bei rund zehn Prozent liegt, müsse man einfach von rund 700 Toten und mehr ausgehen. Aber nur elf von rund 200 österreichischen Krankenhäusern beteiligten sich in jüngster Vergangenheit freiwillig an einem bestehenden Melde- und Überwachungssystem.

Vergangenes Jahr hat das Gesundheitsministerium bereits einen nationalen Aktionplan in Sachen Antibiotika präsentiert. Die aktuellen Zahlen Österreichs ("Resistenzbericht Österreich AURES) weisen im Vergleich zu anderen europäischen Staaten auf eine relativ gute Situation bei Antibiotikaresistenzen hin.

apa.at

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