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APA-Artikel 13. März 2015

Neue Organisation will Anpassung des Ärztetarifs beschleunigen

Transparentere Rechnungen und vereinfachte Tarife bei ambulanten medizinischen Behandlungen: Mit diesem Ziel haben Krankenversicherer, Ärzte und Spitäler am Freitag in Bern die TARMED Suisse AG gegründet. Die revidierte Tarifstruktur soll Anfang 2017 in Kraft treten.

Der Krankenversicherungsverband curafutura, die Ärzteverbindung FMH, der Spitalverband H+ sowie die Medizinaltarif-Kommission UVG (MTK) sind sich seit langem einig, dass die Abgeltung der ambulanten Spitalleistungen ungenügend sei und eine steigende Unterdeckung verursache. Sie fordern deshalb eine Gesamtrevision des Ärztetarifs Tarmed.

Mit der Gründung der neuen AG seien die organisatorischen Voraussetzungen erfüllt, Tarmed grundlegend zu revidieren und weiterzuentwickeln, teilten die vier Tarifpartner mit. Ziel der neuen Organisation sei der Aufbau einer professionellen Tarifierung mit einem eigenständigen Tarifbüro.

"Die TARMED Suisse AG wird im Auftrag der Partner die Tarifstruktur pflegen und laufend den medizinischen und ökonomischen Entwicklungen anpassen." Sie erhalte hierzu die notwendigen Kompetenzen zur Tarifpflege und Aktualisierung der Berechnungsgrundlagen.

Konkret wird die neue Organisation die medizinischen Leistungen mit Taxpunkten bewerten. Die Taxpunktwerte, welche die Höhe der Vergütung einer Leistung bestimmen, werden weiterhin zwischen den Leistungserbringern und den Versicherern ausgehandelt.

Durch diese strikte Trennung von Strukturarbeiten und Preisverhandlungen solle die seit langem bestehende Blockade bei der Weiterentwicklung des Tarmed überwunden werden, schreiben die Tarifpartner. Die revidierte Tarifstruktur soll bis Ende 2015 fertiggestellt, anschliessend dem Bundesrat zur Genehmigung eingereicht werden und auf Anfang 2017 in Kraft treten.

An der Gründungsversammlung wurde Walter Bosshard als externer Verwaltungsratspräsident der TARMED Suisse AG gewählt. Die restlichen Verwaltungsratsmitglieder stammen paritätisch zusammengesetzt aus den Bereichen Leistungserbringer und Versicherer.

Die Gründungspartner seien offen für Verhandlungen mit anderen Tarifpartnern über den Abschluss von Verträgen für die Anwendung der revidierten Tarifstruktur oder die Aufnahme von weiteren Versicherungsverbänden in die TARMED Suisse AG, hiess es.

Beim zweiten grossen Krankenversicherungsverband santésuisse stösst die neue Organisation aber auf wenig Gegenliebe. Es drohten zusätzliche Kosten, teilte santésuisse mit. Werde man den Forderungen nachkommen, seien Kostensteigerungen von bis zu 1,5 Milliarden Franken zu erwarten. "Das würde eine zusätzliche Steigerung der Prämien um bis zu fünf Prozent bedeuten."

Seit Anfang 2004 werden ambulante ärztliche Leistungen in der Arztpraxis und im Spital durch Tarmed abgerechnet. Die Bewirtschaftung des Tarifs war 2002 in einem von den Tarifpartnern H+ und FMH (Leistungserbringer) beziehungsweise santésuisse und MTK (Kostenträger) abgeschlossenen Vertrag der TARMED Suisse übertragen worden.

Mit dieser bestehenden Organisation sei die Bewirtschaftung und Weiterentwicklung des Ärztetarifs bereits gewährleistet, schreibt santésuisse. Das Vetorecht der Versicherer sorge dafür, dass keine unberechtigten Kosten zulasten der Prämienzahler entstünden.

apa.at

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