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APA-Artikel 12. März 2015

Nach Spitalsärzten fordern auch Pflegekräfte mehr Geld

Nach den Ärzten fordern in den Spitälern nun auch die Pflegekräfte mehr Geld. Ansatzpunkt dafür ist das mit 1. Jänner in Kraft getretene Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz, das nicht nur für die Mediziner sondern auch für das nicht-medizinische Personal kürzere Arbeitszeiten vorsieht. In Salzburg droht hier bereits eine Eskalation. Bei den Spitalsärzten könnte sich in Wien die Lage zuspitzen.

In der Wiener Ärztekammer ist am Nachmittag die Kurie zu einer Sitzung zusammengetreten. Erwartet wird, dass die Kammer die Ablehnung der mit dem Krankenanstaltenverbund (KAV) und der Stadt Wien ausverhandelten Lösung durch die Ärzte bestätigen wird. In einer Urabstimmung hatten sich 87,4 Prozent der Ärzte dagegen ausgesprochen. Dem Vernehmen nach wird von der Ärztekammer auch bereits über nächste Schritte beraten. Am Abend tagt dann auch die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, deren Vorsitzender Christian Meidlinger die Regelung für die Ärzte mitverhandelt hatte. Er bedauerte die Ablehnung in der Urabstimmung. Am späteren Abend sind dann sowohl Meidlinger als auch die Spitze der Ärztekammer zu einem Gespräch bei Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) geladen.

Unterdessen schwappt die Aufregung um die Verkürzung der Arbeitszeiten in den Spitälern von den Ärzten immer mehr auch auf das Pflegepersonal über. Mit dem mit 1. Jänner in Kraft getretenen Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz wird nicht nur die Arbeitszeit der Mediziner, sondern auch jene der Pflegemitarbeiter und medizinisch-technischen Assistenten reduziert. In einigen Ländern fordern deshalb nicht nur die Ärzte, sondern nun auch die Pflegekräfte einen Ausgleich für den Verdienstentgang.

In Salzburg droht dieser Streit bereits zu eskalieren. Die Pflegemitarbeiter, Radiologietechnologen und medizinisch-technischen Assistenten fordern eine Erhöhung der Grundgehälter wie bei den Ärzten um rund 30 Prozent. Kommt es zu keiner Lösung, droht ab 1. April Dienst nach Vorschrift. Spitals-Landesrat Christian Stöckl (ÖVP) will aber hart bleiben und den Forderungen keinesfalls nachkommen. Eine rund 20-prozentige Lohnerhöhung fordert das nicht-medizinische Personal in den Tiroler Spitälern. Die Personalvertreter sammeln dafür bis Ende März in den Spitälern bei den Mitarbeitern Unterschriften.

In Oberösterreich starten die Verhandlungen mit den Pflegekräften über höhere Gehälter im Zuge des neuen Arbeitszeitgesetzes am 24. März. Bis Juli will man fertig sein. Es geht um knapp 24.000 Beschäftigte und ein Gehaltsvolumen in der Größenordnung von 900 Millionen Euro. Ein gänzlich neues Gehaltsschema soll für das Pflegepersonal in Kärnten ausgearbeitet werden. Die Eckpfeiler sollen bis Herbst stehen. In Kärnten hat das allerdings weniger mit Arbeitszeitproblemen zu tun als vielmehr mit den zusätzlichen Aufgaben, die die Pflegekräfte in den letzten Jahren übernommen haben.

In Wien steht keine Änderung der Pflege-Arbeitszeitregelung am Tapet. Wie eine Sprecherin von Gesundheitsstadträtin Wehsely der APA erläuterte, gebe es in diesem Bereich schon seit längerem eine 40-Stunden-Woche, diese Regelung werde beibehalten. Sehr wohl Forderungen gibt es unterdessen jedoch aus dem Allgemeinen Krankenhaus. Der Vorsitzende der Personalvertretung der Gemeindebediensteten im AKH, Wolfgang Hofer, verwies auf die "ohnehin schon viel zu hohe Arbeitsverdichtung", die immer mehr zunehme - da auch angedacht sei, ärztliche Tätigkeiten wie Blutabnahmen oder Verabreichungen von Injektionen zu übernehmen. Mehr Dienstposten in der Pflege seien unbedingt nötig, auch Strukturveränderungen und Organisationsänderungen seien überfällig, so Hofer.

Auch in den steirischen Spitälern haben die Pflegekräfte vermehrt turnusärztliche Tätigkeiten übernommen. Als Ausgleich dafür wurden rund 30 neue Pflege-Dienstposten vereinbart. Die Umsetzung läuft noch, wie KAGES-Sprecher Reinhard Marczik erläuterte. Auch in Niederösterreich und Vorarlberg gibt es keine Aufregung.

apa.at

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