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APA-Artikel 11. März 2015

Spitalsärzte - Ziele der Gesundheitsreform nicht gefährdet

Das Gesundheitsministerium sieht aufgrund der Mehrkosten durch das neue Ärztearbeitszeitgesetz die finanziellen Ziele der Gesundheitsreform nicht gefährdet. Das Ziel, zwischen 2012 und 2016 die Kostensteigerungen um 3,4 Milliarden Euro zu dämpfen, sei durch die höheren Ärztegehälter nicht gefährdet, sagte Sektionschef Clemens Martin Auer am Mittwoch.

Auer geht von insgesamt rund 200 Millionen Euro aus, die für höhere Ärztegehälter aufgewendet werden. Dass die Länder und andere Spitalserhalter dafür mehr Geld bekommen, kann sich der Sektionschef aber nicht vorstellen: "Ich sehe das nicht", sagte Auer bei der Eröffnung des Gesundheitswirtschaftskongresses in Wien, bei der er die erkrankte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) vertrat. Er verwies darauf, dass die Kostendämpfungen schon eingeleitet seien.

Sowohl der Vorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Peter McDonald, als auch der Sprecher der Patientenanwälte, Gerald Bachinger, kritisierten, dass in der Diskussion um das Ärztearbeitszeitgesetz nicht die Patienten im Mittelpunkt stehen. Beide verwiesen darauf, dass es in der Debatte vorrangig um andere Themen, wie um die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen der Ärzte gehe. Auer meinte, dass die Stimme der Patienten generell im Gesundheitssystem "nicht sehr ausgeprägt" sei. Bachinger nannte als Beispiel, dass der Titel für die geplante neue Primärversorgung ursprünglich "das Team rund um den Patienten" heißen sollte, nach Intervention der Ärztekammer aber in "das Team rund um den Hausarzt" umbenannt worden sei.

Die Umsetzung der neuen Primärversorgung ist für Auer einer der wichtigsten Punkte, um mehr Patienten weg von Spitälern zu bekommen. Dazu müssten Strukturen geschaffen werden, die für die Menschen erreichbar sind, wenn sie diese brauchen. Mindestens zwischen 7 und 19 Uhr müssten diese Zentren bzw. Netzwerke geöffnet sein. McDonald unterstütze dieses Anliegen und bekräftigte, dass ab nächstem Jahr auch eine telefonische Auskunft für die Patienten zur Verfügung stehen werde.

Notwendig sind nach Ansicht des Sektionschefs aber auch neue Vertragsmodelle zwischen Sozialversicherung und Ärzten. In den derzeitigen Verträgen seien "Anreize für Fehlsteuerungen angelegt". Als Beispiel nannte Auer, dass ein Hausarzt für einen Verbandswechsel 5,40 Euro bekomme. Dafür wechsle kein Arzt einen Verband, "und er hat recht", meinte der Sektionschef. McDonald erklärte dazu, dass man derzeit mehrere Bezahl-Modelle ausprobiere.

Auch mit der oft verbreiteten Einschätzung, dass Österreich eines der besten Gesundheitssysteme der Welt habe, räumte Auer auf. Angesichts der relativ hohen Kosten und der Ergebnisse kommt er zu dem Schluss: "Das stimmt alles von vorne bis hinten nicht zusammen." Dass das österreichische Gesundheitssystem von einem relativ hohen Grad an Frustration geprägt sei, zeige sich jetzt auch an der Umsetzung der Ärztearbeitszeitregelung. McDonald äußerte die Vermutung, dass die Österreicher vielleicht auch deshalb so zufrieden mit ihrem Gesundheitssystem sind, weil sie vieles nicht wissen.

apa.at

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