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APA-Artikel 6. März 2015

Internationaler Frauentag: Ärztinnen in Führungspositionen in der Minderheit

Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der ausschließlich im Spital tätigen österreichischen Ärzte sind weiblich. Der Anteil von Frauen bei den Turnusärzten beträgt sogar schon 59 Prozent, aber nicht einmal 14 Prozent der Primariate sind in Österreich von Frauen besetzt. Auf diese krasse Benachteiligung wiesen anlässlich des kommenden Internationalen Frauentages am 8. März 2015 zwei Kammerrätinnen der Ärztekammer für Wien, Cornelia Hieber und Maria-Christina Walter, hin.

Dabei unterscheiden sich die Karriereverläufe von Medizinerinnen, verglichen mit jenen aller österreichischen Universitätsabsolventinnen, nur unwesentlich: Hier lauten die Kennzahlen 53 Prozent weibliche Studierende, 67 Erstabschlüsse durch Frauen, aber bereits eine erste Trendumkehr bei den Assistenten mit einem Frauenanteil von nur mehr 41 Prozent. Das setzt sich dann weiter fort: Bei den Dozenturen liegt der Frauenanteil bei nur mehr 21 Prozent und bei den Professuren gar nur mehr bei mageren 18 Prozent.

An der MedUni Wien sind gar nur 14 Prozent aller Professoren Frauen. Zwar gibt es für Österreich keine Daten, wie viele von den Frauen, die es "geschafft" haben, auch Kinder haben, aber es ist anzunehmen, dass die "maternal wall" gerade auch für diese Kolleginnen gilt. "Maternal wall" bezeichnet die beruflichen Hemmnisse, die sich durch Mutterschaft, aber auch durch die Betreuung nahestehender Angehöriger, ergeben.

Ärztinnen drängen auch in den niedergelassenen Bereich

Der niedergelassene kassenärztliche Bereich ist in ganz Österreich derzeit noch zu zwei Drittel männlich dominiert. Die Zukunft sieht aber anders aus: Immer mehr Frauen werden auch hier medizinische Aufgaben übernehmen. Allgemeinmedizinerinnen wandern derzeit oft in die Wahlarztpraxis ab, weil dort sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch für Patienten akzeptable Bedingungen herrschen.

In eine Wahlarztpraxis zu gehen ist aber für viele Patienten aus finanziellen Gründen nicht möglich. Zum Weltfrauentag betont die Vizepräsidentin der Ärztekammer für Wien, Eva Raunig: "Nur, wenn auch im niedergelassenen Bereich sowohl in der Großstadt als auch im ländlichen Bereich für Ärztinnen in finanzieller und arbeitszeitmäßiger Hinsicht wieder akzeptable Bedingungen geschaffen werden, kann man unser hervorragendes soziales Gesundheitssystem in Österreich aufrecht erhalten."

Die Kritik der Ärztinnen macht aber auch vor der eigenen Standesvertretung nicht halt: Eine Ärztekammerpräsidentin hat es bislang weder in den Bundesländern noch innerhalb der Österreichischen Ärztekammer gegeben. Nach wie vor sind die gesellschaftlichen Strukturen der Ärztekammern von Männern dominiert, kritisieren die Ärztinnen. "Das war anfangs historisch gewachsen, aber es wird befürchtet, dass sich das auch in nächster Zeit nicht groß ändern wird."

Wobei es für Raunig doch einen Hoffnungsschimmer gibt: "Die Vollversammlung der Ärztekammer für Wien hat kürzlich einen Empfehlungsbeschluss an die Fraktionen verfasst, zukünftig auf einen Anteil von zumindest 50 Prozent weiblichen Kammerrätinnen zu achten." Für Raunig ist klar, dass dieser Empfehlungsbeschluss nicht sofort und 100-prozentig lückenlos erfüllbar ist, "aber ein hoffnungsfroher Beginn ist es allemal".

Rücksichtnahme auf Mutterschaft und Familie

Die weiteren Forderungen der Ärztinnen lauten: Wertschätzung von Ärztinnen als integrativer Bestandteil der medizinischen Versorgung in Österreich, sowohl im Spitals- als auch im Ordinationsbereich, die Rücksichtnahme der Spitalsträger auf die unterschiedlichen Situationen der Ärztinnen hinsichtlich Mutterschaft und Familie und daraus resultierend flexible zeitgemäße Dienstmodelle in den Spitälern sowie mehr Frauen in Führungspositionen und Entscheidungsgremien. (hpp)

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/30/aom

apa.at

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