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APA-Artikel 5. März 2015

D: Großteil der Krankenhausinfektionen vermeidbar

Nach zahlreichen Infektionsfällen in Krankenhäusern wurde vor einigen Jahren das Gesetz zur Krankenhaushygiene verschärft. Geändert habe sich aber noch nicht viel, sagt der Patientenbeauftragte Laumann.

Ein Großteil der Krankenhausinfektionen und deren Folgeschäden sind nach den Worten des Patientenbeauftragten der Bundesregierung; Karl-Josef Laumann (CDU), vermeidbar. Hier seien alle Beteiligten, medizinisches Personal wie Patienten, aufgerufen, ihre jeweilige Verantwortung zu übernehmen, erklärte Laumann am Mittwoch in Berlin. Bei einer Veranstaltung "Krankenhausinfektionen - Hintergründe, Gefahren und Strategien" sagte Laumann zugleich, er sehe kein Gesetzesproblem, sondern ein Verhaltensproblem. Das Gesetz sei zwar verschärft worden, aber es habe sich nichts Nennenswertes geändert.

Laut Bundesgesundheitsministerium infizieren sich jährlich im Krankenhaus 400 000 bis 600 000 Menschen. 10 000 bis 15 000 sterben daran. 2011 reagierte der Gesetzgeber unter anderem mit schärferen Regeln für Hygiene und Kontrolle. Denn im Krankenhaus oder auch ambulant eingefangene Infektionen durch resistente Erreger machten die Behandlung immer schwieriger und erhöhten die Sterblichkeitsrate. Die zunehmenden multiresistenten Erreger geben der Medizin immer weniger Behandlungsoptionen an die Hand.

Martin Mielke vom Robert-Koch-Institut erläuterte, die Wirkung neu entwickelter Antibiotika lasse angesichts der rasch sich darauf einstellenden Erreger relativ schnell wieder nach - auch weil zu viel Antibiotika verordnet würden - und diese häufig bei falscher Gelegenheit. Die Entwicklung neuer Stoffe sei für die Pharmaindustrie nicht lukrativ genug.

Die Antibiotikaresistenz von Erregern sei allerdings ein globales Problem. Und im internationalen Vergleich stehe Deutschland bei Krankenhausinfektionen nicht so schlecht da. Länder des Mittelmeerraumes wie Italien oder Griechenland seien wesentlich mehr betroffen, unter anderem wegen der Zuwanderung aus Afrika. Deutschland sei in diesem Vergleich noch eine "Insel der Glückseligen", allerdings sei dies durch den intensiven Tourismus gefährdet. Besonders gefährdet im Krankenhaus seien besonders junge Patienten wie Frühgeborene, besonders alte und besonders kranke Patienten.

Nach den Worten von Mielke gibt es in Deutschland insgesamt gesehen noch immer Defizite bei der Hygiene und zu wenig Hygienebeauftragte. Er und auch andere Experten verwiesen darauf, dass es in den Niederlanden deutlich niedrigere Infektionsraten gebe.

apa.at

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