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APA-Artikel 26. Februar 2015

D: Höhere Zusatzbeiträge für Krankenversicherte absehbar

Bis zu 1,2 Prozent vom Einkommen kommen heute für die Krankenkasse obendrauf - das dürfte in einem Dreivierteljahr spürbar mehr werden.

Gesetzlich Versicherte müssen 2016 wohl flächendeckend mehr für ihre Krankenkasse bezahlen. "Die Zusatzbeiträge werden nächstes Jahr mit Sicherheit steigen", sagte ein Sprecher des GKV-Spitzenverbands am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Erstmals seit vier Jahren fuhren die Kassen vergangenes Jahr ein Defizit ein, nämlich von rund einer Milliarde Euro. Der Kassen-Verband und das Bundesgesundheitsministerium bestätigten einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag).

Derzeit erheben die Kassen Zusatzbeiträge zwischen 0,0 und 1,2 Prozent. Millionen Kassen-Mitglieder müssen 0,9 Prozent vom Einkommen zahlen - zusätzlich zum 7,3-Prozent-Arbeitnehmeranteil des Beitragssatzes von 14,6 Prozent.

In Kassen-Kreisen wurde bestätigt, dass nur die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) 2014 Gewinn machten (rund 420 Millionen Euro). Bei den Ersatzkassen belief sich das Defizit auf rund 1,1 Milliarden Euro. Das Minus der Betriebskrankenkassen lag bei 170 Millionen Euro, das der Innungskassen bei 220 Millionen und das der Knappschaft bei 20 Millionen Euro.

Sehr unterschiedlich fielen die Deutungen zum Milliardenminus aus. "Das Defizit im vergangenen Jahr ändert kurzfristig nichts an der insgesamt guten Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherung", sagte ein Kassenverbands-Sprecher. "Aber der Blick zurück reicht nicht." Die Ausgaben für Ärzte, Kliniken und Medikamente seien schon wieder am Ansteigen.

Eine Sprecherin von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hingegen betonte: "Der Ausgabenüberhang (...) beruht fast ausschließlich auf Prämienzahlungen in Höhe von rund 700 Millionen Euro und freiwilligen Satzungsleistungen in Höhe von rund 260 Millionen Euro." Die Vorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner, kritisierte, dass der aktuelle Finanzausgleich zwischen den Kassen nicht funktioniere. Die AOK-Millionenüberschüsse seien nicht durch Managementerfolge zu erklären. Eigentlich soll den Kassen die unterschiedliche Kostenlast durch die ungleiche Verteilung von Älteren und Kranken ausgeglichen werden.

In den vergangenen Jahren hatten die gesetzlichen Kassen Reserven angehäuft, zuletzt rund 16 Milliarden Euro. Das bisher letzte Mal kam es 2010 zu einem Defizit bei den Kassen, wie aus einem offiziellen Infoblatt hervorgeht. Die kompletten Zahlen für 2014 werden erst noch veröffentlicht, sie stehen noch nicht abschließend fest.

apa.at

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