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APA-Artikel 25. Februar 2015

Demenzerkrankungen - Experten weisen auf Ausbildungsdefizite hin

Bei derzeit 130.000 Demenzkranken in Österreicher, einer Verdoppelung ihrer Zahl bis 2030 sowie einer Verdreifachung bis zum Jahr 2050 steht dem Gesundheitswesen eine enorme Herausforderung bevor. Fachleute von der Donau-Universität Krems in Niederösterreich verwiesen am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien auf die Defizite in der Ausbildung Betreuender.

Michael Brainin, Leiter des Departments für Klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin in Krems, schilderte drastisch die auf die österreichische Gesellschaft zukommenden Probleme: "Schlaganfall und Demenz sind die zwei Hauptprobleme des Gesundheitswesens. Demenz ist die Krankheit, die das Gesundheitssystem aushebeln wird. Wenn es gelingt, den Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung um drei bis vier Jahre zu verschieben, ist das ein enormer Sieg."

Morbus Alzheimer liege bereit an dritter Stelle der Todesursachen, hieß es. Die gesellschaftsrelevanten Probleme ergäben sich aber im Vergleich zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen weniger durch die Mortalität als durch die Krankheitslast, die Betroffene, deren Angehörige und das Gesundheits- und Sozialwesen über Jahre hinweg belasten. "Wir haben derzeit 130.000 Demenzkranke in Österreich", berichtete die Klinische Gesundheitspsychologin Stefanie Auer, wissenschaftliche Leiterin der MAS Alzheimerhilfe und in Zukunft Lehrgangsleiterin für Demenzstudien an der Kremser Universität. "Sie müssen die Zahl verdoppeln, weil auch die Angehörigen betroffen sind." Man schätzt, dass 80 Prozent des Betreuungsaufwandes von Angehörigen bestritten wird.

Die MAS Alzheimerhilfe hat einerseits Programme geschaffen, welche die Frühdiagnose von Demenzerkrankungen unterstützen sollen, andererseits gibt es eine Ausbildung von "Trainern", die in die Lage versetzt werden sollen, Menschen mit Demenz im Alltag zu begleiten. In Pflegeheimen werden ganze Teams für die Betreuung ausgebildet. Stefanie Auer: "80 Prozent der Patienten in Pflegeheimen haben ein kognitives Problem. Nur 20 bis 30 Prozent bekommen eine medizinische Diagnose." Eine bessere Ausbildung des Personals zeige sehr schnell positive Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung. Es existiere in Österreich in den Pflegeheimen ein hohes Defizit in der Kompetenz und den Bemühungen, Demenzkranke ihrer Situation gerecht zu aktivieren.

Mit Oktober dieses Jahres bietet die Donau-Universität Krems einen postgradualen Universitätslehrgang zum Thema "Demenzstudien" an. In der längsten Form soll er zum Master of Science (sechs Semester) führen. Kostenpunkt: 7.000 Euro.

apa.at

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