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APA-Artikel 24. Februar 2015

Zungenschrittmacher am Kantonsspital St. Gallen implantiert

Am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) wurde erstmals einem Patienten ein Zungenschrittmacher implantiert. Damit gehört das KSSG zu den ersten Schweizer Spitälern, die diese neue Therapieform anbieten. Das Gerät hilft, Atemstillstände im Schlaf zu verhindern.

Schnarchen gilt als nervig und kann getrost als Volksleiden bezeichnet werden. Kommen aber noch nächtliche Atemaussetzer dazu, kann dies für die Betroffenen auch gefährlich werden. Experten gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent der Bevölkerung vom obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) betroffen sind.

In der Regel wird der dafür verantwortliche Kollaps der Atemwege im Rachenbereich mit kontinuierlichem Atemwegsdruck (CPAP) behandelt. Dafür tragen die Betroffenen nachts eine Maske, die aber im Langzeitverlauf von einem beträchtlichen Teil der Patienten nicht toleriert wird.

Für einige dieser Patienten steht mit dem Zungen- oder sogenannten Hypoglossus-Schrittmacher eine neue Therapieform zur Verfügung, wie es in der Mitteilung des KSSG vom Dienstag heisst. Der implantierte Stimulator hat ungefähr Daumengrösse und wird wie ein Herzschrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins eingepflanzt.

Der Patient wie auch die behandelnden Ärzte sind mit dem Resultat der ersten Operation am Kantonsspital St. Gallen und mit der Wirkung auf die nächtliche Atmung des Patienten äusserst zufrieden, wie es weiter heisst.

Sämtliche Tests zeigten, dass der Hypoglossus-Schrittmacher beim Patienten tadellos funktioniere, gaben die behandelnden Ärzte an. Die Apnoen und Hypopnoen könnten in allen Schlafstadien und in allen Körperlagen erfolgreich verhindert werden.

Adrian Meyer, Oberarzt der Hals-Nasen-Ohrenklinik, erklärt, wie das Gerät funktioniert: "Über ein dünnes Kabel werden die Atembewegungen im Zwischenrippenraum gemessen und die Atemfrequenz überwacht. Über ein zweites Kabel sendet der Schrittmacher einen leichten elektrischen Impuls an den Zungennerv."

Dieser Nerv ist für das Zusammenziehen des Zungenmuskels verantwortlich. Die Stimulation verhindert das Erschlaffen der Zunge und damit den Kollaps der Atemwege. "Gefährliche Atemstillstände im Schlaf werden so verhindert", sagt Meyer gemäss Mitteilung.

Nicht alle Patienten kommen für diese Therapieform infrage. Die in mehreren Studien nachgewiesenen guten Ergebnisse können nur durch eine Selektion geeigneter Patienten erzielt werden. Dies betrifft zum Beispiel den Grad des OSAS (mittel- bis hochgradig) und den Ausschluss von zu adipösen Patienten oder von solchen mit einer hochgradigen Herzkreislauferkrankung.

Die neue Therapieform ist von den Krankenkassen noch nicht anerkannt, sie wird jedoch in begründeten Einzelfällen von einigen Kassen bereits übernommen.

apa.at

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