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APA-Artikel 24. Februar 2015

Apothekertagung - Arzt, Pflege und Apotheker 2 - Informationsdefizite

In der deutschen Studie rund um das Medikationsmanagement zeigte sich, dass bei jedem männlichen Patienten im Durchschnitt 17 potenzielle Arzneimittelprobleme gegeben waren, bei Frauen stieg das auf einen durchschnittlichen Wert von 20. Pharmazeut Olaf Rose bei der Apothekertagung in Schladming in der Steiermark: "Allerdings waren nur ein Drittel der Interaktionen klinisch relevant."

Viel gravierender dürften sich bei betagten Mehrfachkranken Informationsdefizite über die vom Arzt verschriebenen Medikamente und die der Verschreibung wirklich folgende Einnahme auswirken. So waren häufig verschriebene Arzneimittel gar nicht vorhanden. Ein hoch wirksames Rheumamedikament wurde beispielsweise statt einmal alle zehn Tage gar wöchentlich eingenommen. Bei anderen Medikamenten klaffte zwischen der verordneten Einnahme - zum Beispiel drei Mal täglich - und der wirklich erfolgten Einnahme eine riesige Lücke. Der Fachmann: "Bei mehr als 50 Prozent der Verordnungen kennt der Patient den Grund für die Verschreibung nicht. Es gibt Mehrfachverschreibungen. Fast alle Patienten nehmen ihre Medikamente mit dem Essen ein, auch wenn sie das bei manchen vorher tun sollten."

Mehrfachverschreibungen geschehen auch häufig nach vorübergehenden Spitalsaufenthalten, indem die vom Krankenhaus empfohlenen Medikamente mit jenen aus der Rezeptur des niedergelassenen Arztes kombiniert werden. Laut der deutschen Studie führte das auch zu Effekten, die durchaus unerwünscht sind: Der Blutdruck war bei vielen der bisher ausgewerteten 106 Probanden zu niedrig eingestellt, was die Sturzgefahr samt Verletzungsrisiko durch Schwindelattacken erhöht. Auch der Blutzuckerwert (HbA1c) war oft zu niedrig, was bei betagten Menschen zu einem vermehrten Risiko von Unterzuckerung, speziell im Schlaf in der Nacht, führt. Die Cholesterinwerte waren hingegen eher zu hoch.

Gute Ergebnisse brachte auch eine Studie in einem Pflegeheim in Bad Gastein in Salzburg, wo ebenfalls gemeinsam von Pflegepersonal, Arzt und Apotheke zwischen Oktober 2013 bis November 2014 versucht wurde, die Medikation von 72 Patienten zu verbessern. Das Durchschnittsalter der Betroffenen war 82 Jahre. Den Beteiligten ging es vor allem um eine Verbesserung der Medikation mit Hinsicht auf Vigilanz und Verbesserung der Schmerzbehandlung. So kam es bei 40 Prozent der analysierten Patienten zu einer Änderung der Verordnung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, bei 45 Prozent zu einer Änderung in der analgetischen Medikation. Bei sieben Prozent konnten die Schlaf- und Beruhigungsmittel überhaupt abgesetzt werden, bei 36 Prozent der Schmerzpatienten die Analgetika reduziert oder abgesetzt werden.

apa.at

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