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APA-Artikel 24. Februar 2015

D: Essener Mediziner: Ethikrat verunsichert Bürger bei Organspende

Der Essener Mediziner Eckhard Nagel hat dem Deutschen Ethikrat vorgehalten, mit seiner Stellungnahme zu Hirntod und Organspende die Verunsicherung in der Bevölkerung zu schüren. Eine akademische Diskussion über juristische oder die menschliche Existenz betreffende Probleme sollte nicht dazu beitragen, die Patienten in den Wartezimmern und Krankenhäusern, die auf Heilung hoffen, zu vergessen.

Mit Hilfe von Organtransplantationen würden viele lebensbedrohliche Erkrankungen, die jeden Menschen treffen könnten, sehr gut behandelt, sagte Nagel der Deutschen Presse-Agentur. Er ist Direktor des Universitätsklinikums Essen und selbst Mitglied des Ethikrates.

Der Deutsche Ethikrat will an diesem Dienstag seine Stellungnahme veröffentlichen. Laut Nagel schwingt in manchen Formulierungen der Verdacht mit, die Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen im Umfeld der Hirntoddiagnostik instrumentalisiere den Sterbenden als Organspender. Nagel hält in seinem Minderheitenvotum, das der dpa vorliegt, dagegen: "Der ärztliche Behandlungsauftrag konzentriert sich auf das Wohl des Patienten und nicht auf eine theoretische Möglichkeit zur Organspende."

Die deutsche Transplantationsmedizin galt laut Nagel lange Jahre weltweit als führend. "Heute warten die Patienten bei uns im Schnitt allerdings zwei- bis dreimal so lange auf eine lebensrettende Organübertragung wie in Spanien, Österreich oder Belgien." Dies habe mit einer grundsätzlichen Verunsicherung in der Bevölkerung zu tun - nicht zuletzt wegen vereinzelten Fehlverhaltens von Transplantationsmedizinern bei der Verteilung von Organen. "Die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zum Thema "Hirntod und Entscheidung zur Organspende" dürfte nicht zu einer Verbesserung der jetzigen Situation beitragen."

apa.at

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