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APA-Artikel 19. Februar 2015

Verein Hemayat betreut seit 20 Jahren Kriegs- und Folterüberlebende

Der Wiener Verein Hemayat betreut seit zwei Jahrzehnten Folter- und Kriegsüberlebende. Bei einer Pressekonferenz anlässlich des 20-jährigen Bestehens am Donnerstag forderten Vertreter des Vereins eine langfristige Basisfinanzierung durch die öffentliche Hand und Verträge mit den Krankenkassen. "Wir erfüllen eine wichtige Gesundheits- und Integrationsaufgabe", sagte Geschäftsführerin Cecilia Heiss.

"Es hat sich gezeigt, dass Hemayat kein 'Projekt' ist, sondern dass über 20 Jahre lang konstanter Betreuungsbedarf besteht", so Heiss. Insgesamt betreute der Verein rund 9.000 Menschen seit seiner Gründung. Ein Großteil der Patienten der vergangenen Jahre stammt aus Tschetschenien und Afghanistan. "Gerade dort, wo Asylverfahren sehr lange dauern, ist es für die Flüchtlinge von enormer Wichtigkeit, dass es einen Platz gibt, wo sie sich sicher fühlen können", sagte Barbara Preitler, Psychotherapeutin und Gründungsmitglied von Hemayat. "Unsere Patienten haben ihre erste Heimat verloren, aber das heißt nicht, dass wir ihnen nicht eine zweite Heimat, eine zweite Möglichkeit, anbieten können."

Derzeit warten allerdings 276 Personen, darunter 34 Kinder, auf einen Therapieplatz. "Diese Plätze können wir nicht zeitgerecht anbieten, weil wir die finanziellen Mittel nicht haben", erklärte Heiss. Im Moment wird Hemayat als Projekt von verschiedenen Stellen und durch private Spenden finanziert. Um die Förderungen muss Jahr für Jahr neu angesucht werden. Hauptförderer ist der Europäische Flüchtlingsfonds in Kooperation mit dem Innenministerium. Im vergangenen Jahr wurden 661 Klienten aus 36 Ländern, davon 79 Minderjährige, mit einem Budget von rund 500.000 Euro betreut. Rund 180.000 Euro davon waren Spenden.

"Wir leben in einer Zeit, wo Menschenrechtsverletzungen dramatisch zunehmen und damit auch die Zahl der Flüchtlinge", sagte der Menschenrechtsexperte und frühere UN-Sonderberichterstatter über Folter, Manfred Nowak. "Die meisten Menschen, die als Flüchtlinge nach Österreich kommen, sind traumatisiert und brauchen dringend Hilfe." Es sei Aufgabe des Bundes und der Gemeinde Wien, gemeinsam einen Plan zu überlegen, wie man die Institution auf eine langfristige finanzielle Grundlage stellen könne, meinte Nowak.

apa.at

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