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APA-Artikel 19. Februar 2015

Spitalsärzte - Wiener KAV: Einzelevaluierung der Abteilungen geplant

In der Streitfrage um den Abbau von 382 Ärztedienstposten im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) wurde nun erneut vereinbart, jede Abteilung einer individuellen Evaluierung zu unterziehen. Dabei soll die Leistung erhoben werden, um danach über den effizienteren Einsatz von Personal und Mittel zu entscheiden. Individuelle Dienstzeitlösungen seien möglich.

Das ist das Ergebnis eines am Mittwochnachmittag einberufenen Gespräch zwischen den Primarärzten der Spitäler des KAV und der Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) - zuvor hatten die Primarärzte in einem Brief an die Stadträtin Bedenken zur Umsetzung geäußert. Diese seien nun weitgehend ausgeräumt, meinte Ludwig Kramer, Primararzt und Kollegiensprecher am Krankenhaus Hietzing und einer der Unterzeichner des Briefes im Gespräch mit der APA.

Es sei ein sehr positives, konstruktives und konsensuelles Gespräch gewesen, bei dem erneut zugesichert worden sei, dass die Abteilungsvorstände in die Umsetzung des neues Arbeitszeitgesetzes eingebunden werden. In Workshops soll die Leistung sowie der Personalbedarf der einzelnen Abteilungen erhoben und mittelfristig auch die Strukturen umgestaltet werden. Geplant sind etwa zentrale Erstversorgungszentren, die Patienten in der Nacht aufnehmen und versorgen bis diese in der Früh an die Spezialambulanzen weitervermittelt werden. So könnten dann auch Nachtdienste reduziert werden.

Die Evaluierungen sind teils bereits gestartet. "Jetzt wird geschaut, was braucht es wirklich und was nicht", so die Gesundheitsstadträtin. Dabei gebe es natürlich auch die Möglichkeit, je nach Abteilung individuelle Dienstzeitmodelle zu entwickeln, wie auch Wehsely betonte. Die Umstellung werde generell schrittweise bis 2018 erfolgen - man habe nicht vor, alles von heute auf morgen umzusetzen.

Am Montag waren Pläne des KAV bekannt geworden, aufgrund des neuen Arbeitszeitgesetzes und vor allem der um ein Drittel reduzierten Nachtdienste bis 2018 382 Ärzte im Krankenanstaltenverbund abzubauen. Einige Primarärzte reagierten darauf in einem Brief an die Gesundheitsstadträtin mit Bedenken: Mit der Kürzung von 382 Ärzteposten sei unter den derzeitigen Rahmenbedingungen die Leistungserbringung in den KAV-Spitälern nicht aufrecht zu erhalten.

Die Personalreduktion sei vom KAV "unglücklich kommuniziert worden", meinte dazu heute einer der Unterzeichner, Meinhard Kneussl, Primar am Wilhelminenspital. Nun wolle man die Kollegen informieren und so die entstandene Unruhe ausräumen. Die Ärztekammer hatte ebenfalls Widerstand angekündigt - notfalls auch das Aufschnüren der Ende Jänner verkündeten Einigung zwischen Stadt, KAV, Gewerkschaft und Ärztevertretern.

Auch die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten - Kunst, Medien, Sport, freie Berufe nutzte die Aufregung am Mittwoch für eine neuerliche Klarstellung per Aussendung. Entgegen kursierender Gerüchte sei jede Anwesenheit im Krankenhaus künftig bezahlte Dienstzeit. Jede Stunde über der Sollarbeitszeit - die Grundlage ist nun eine 40-Stunden-Woche - werde als Überstunde abgegolten. Feiertage würden die monatliche Sollarbeitszeit reduzieren.

apa.at

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