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APA-Artikel 18. Februar 2015

Spitalsärzte - Wiener AKH droht Halbierung der OP-Kapazitäten

Im Wiener Gemeinderatswahljahr 2015 droht der Bevölkerung in der Bundeshauptstadt und bei Spezialfällen Patienten österreichweit eine starke Reduzierung der medizinischen Versorgung. Dem AKH mit den Universitätskliniken der MedUni Wien selbst steht die Halbierung der Operationskapazitäten bevor. Dies geht aus einer schriftlichen Stellungnahme eines verantwortlichen Chirurgen an die APA hervor.

Der in verantwortlicher Position an der Universitätsklinik der MedUni Wien beschäftigte, international renommierte Spezialist stellte am Mittwoch in seinem Schreiben zunächst fest, dass er "wegen des Maulkorberlasses des Rektors"(Wolfgang Schütz; Anm.) nicht namentlich genannt werden möchte. Ihm drohe sonst ein Disziplinarverfahren. Schütz hatte vor etwas mehr als einer Woche die Klinikchefs und Abteilungsleiter zum Schweigen zur derzeitigen Situation im AKH für die Zeit der Verhandlungen aufgefordert.

"Wir haben seit 1. Jänner 2015 trotz aller Bemühungen, die Versorgung aufrecht zu erhalten, bereits 300 Operationen verschieben müssen. Wenn überfallsartig 48 Stunden im Arbeitszeitraum eingeführt werden sollten, gibt es in unserem Haus statt 40.000 nur noch 20.000 Operationen pro Jahr. Das wäre medizinisch, menschlich und ethisch ein Desaster", erklärte der Chirurg.

Die Situation sei mehr als ernst. "Es liegen von unserem Verhandlungspartner, dem Rektor, Vorschläge auf dem Tisch, die zwar Erhöhungen der Grundgehälter vorsehen, aber auch eine Einhaltung der Mindestarbeitszeit laut dem neuen Gesetzerlass (48 Wochenstunden, Anm.). Wir haben aber bisher viel mehr arbeiten müssen, um die Versorgung der Bevölkerung in optimaler Weise sowie unsere Wissenschaftsleistung und die Lehre der Studierenden aufrechtzuerhalten", schrieb der Wissenschafter.

Die Konsequenzen einer Umsetzung der Arbeitszeitregelungen ohne Aufstockung des ärztlichen Personals wären drastisch. "Wenn die AKH-Ärztinnen und -Ärzte ihr Opt-out (Bekunden der Bereitschaft, mehr als 48 Stunden im vorgeschriebenen Zeitraum zu arbeiten; Anm.) zurücknehmen oder zurücknehmen müssten, werden wir trotz aller verzweifelten Bemühungen ab spätestens Anfang Mai nur noch einen Notbetrieb aufrechterhalten können: Die Zahl der Operationen würde dann mangels diensthabender Ärztinnen und Ärzte nach unseren Berechnungen auf die Hälfte reduziert werden müssen, was dramatische Auswirkungen auf unsere Patientinnen und Patienten hätte."

Doch die Situation an den Wiener Universitätskliniken ist offenbar in Sachen Dienstzeiten, ärztliches Personal und auch in Sachen Arbeitszufriedenheit prekär. Der Chirurg: "Wir befinden uns in der eigentlich unfassbaren Situation, dass der Rektor der MedUni Wien (Wolfgang Schütz; Anm.) den verantwortlichen Abteilungsleitern einen Maulkorb verpasst hat und diese deshalb die Öffentlichkeit nicht über die bereits bestehenden Versorgungsnotstände im AKH, die sich rapide verschärfen werden, informieren dürfen, obwohl eindeutig Gefahr im Verzug ist."

Der Urheber dieser Maßnahme sei "derselbe Rektor, der aus unerfindlichen Gründen für die sehr gut nachvollziehbaren und begründbaren Besorgnisse der AKH-Ärzte völlig unzugänglich ist, sich nicht für zusätzliche Dienstposten einsetzt, auf einer maximalen Arbeitszeit von 48 Stunden innerhalb eines definierten Zeitraums beharrt, und damit Mitverantwortung an der erwartbaren Versorgungsmisere trägt. Der Rektor geht dieses Jahr in Pension, und handelt offensichtlich nach dem Grundsatz 'hinter mir die Sintflut'."

Man appelliere "deshalb an den zuständigen Wissenschaftsminister, Dr. Reinhold Mitterlehner, seinen Einfluss geltend zu machen und das AKH-Wien zu retten." Neben der Gefährdung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung stehe auch der "exzellente Ruf des AKH als Institution der Lehre und Forschung auf dem Spiel". Mit der deutlich verkürzten Arbeitszeit und ohne zusätzliches ärztliches Personal könnten Lehre und Forschung nicht mehr aufrechterhalten werden. Das AKH würde seine führende Position als akademische Institution zunehmend verlieren und was bisher erfolgreich aufgebaut wurde, würde leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Man werde jedenfalls in Zukunft die Öffentlichkeit "ab sofort laufend über die aktuellen Entwicklungen" informieren. Dies werde auch "ungeachtet des Sprechverbots durch den Rektor" erfolgen. Der Chirurg: "Angesichts eines möglichen Versorgungsdesasters können wir es als Mediziner und Bürger nicht verantworten, zu schweigen."

apa.at

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