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APA-Artikel 18. Februar 2015

Spitalsärzte - 1. Angebot des Rektorats: AKH-Betriebsrat unzufrieden

In den Verhandlungen um das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte am Wiener AKH hat es nun ein erstes konkretes Angebot des Rektorats der Medizinischen Universität Wien gegeben. Dieses stieß beim Betriebsrat am Mittwoch allerdings auf wenig Begeisterung - Knackpunkt ist vor allem die Umstellung auf eine 48-Stunden-Woche. Nun soll die Belegschaft bei einer Betriebsversammlung entscheiden.

"Der Betriebsrat konnte dem Angebot nicht in allen Punkten zustimmen", bestätigte Ärztevertreter Martin Andreas auf APA-Nachfrage. Momentan hake es vor allem bei der Umstellung auf die nun gesetzlich vorgesehene 48-Stunden-Woche. Denn diese soll, geht es nach der MedUni, die für die AKH-Ärzte zuständig ist, bereits im Juli 2016 erfolgen. "Das halten wir für organisatorisch nicht möglich und unrealistisch", so Andreas. Auch mit der vorgesehenen 15- bis 25-prozentigen (je nach Personalkategorie) Gehaltserhöhung sei man nicht zufrieden, da die Verluste durch Nachtdienste und Überstunden dadurch nicht ausgeglichen würden.

In einer Aussendung bedauerte das Rektorat die Ablehnung: "Es gibt vonseiten des Rektorats ein gutes und faires Angebot im Sinne der Ärzteschaft und der PatientInnen. Wir bedauern, dass dieses Angebot seitens des Betriebsrats abgelehnt wird und sind weiterhin gesprächsbereit." Von einer Ablehnung will Andreas nicht sprechen, man werde die Entscheidung vielmehr - ähnlich wie im städtischen Krankenanstaltenverbund - der Belegschaft überlassen. In einer Betriebsversammlung am kommenden Mittwochnachmittag sollen die AKH-Ärzte über den Vorschlag informiert werden und darüber abstimmen.

Auch die Lohnfrage sieht in der Darstellung des Rektorats ein bisschen anders aus: Das "weiterhin aufrechte" Angebot würde nicht nur die Verluste kompensieren, sondern zu einem "beträchtlichen Reallohngewinn" führen. Zusätzlich beinhalte der Vorschlag eine Betriebsvereinbarung mit einer Opt-out-Regelung, die bis Juli 2016 weiterhin Wochenarbeitszeiten von bis zu 60 Stunden ermögliche. Erst dann solle generell die neue 48-Stunden-Woche gelten.

Es gebe allerdings auch Punkte, in denen man sich bereits einig sei, meinte Andreas. Etwa bei der Änderung von Dienstzeitmodellen oder der Einführung von mehr Rufbereitschaften bzw. der Bezahlung derselben. In der Aussendung des Rektorats ist von "flexibleren Dienstzeitmodellen, die bedarfsabhängig an das jeweilige Patientenaufkommen angepasst sind", die Rede.

Seit mehreren Wochen verhandeln Ärztevertreter, Gewerkschaft, MedUni und Wissenschaftsministerium. Grund dafür ist die neue EU-Richtlinie, die u.a. eine Reduktion der Wochenarbeitszeit von Spitalsärzten von bis zu 60 auf 48 Stunden vorsieht. Am AKH sind die Verhandlungen u.a. deshalb kompliziert, da die Ärzte hier durchschnittlich besonders viele Wochenstunden absolvieren. Ärztevertreter beklagten bereits Einschränkungen bei Operationen und längere Wartezeiten in den Ambulanzen.

apa.at

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