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APA-Artikel 18. Februar 2015

Deutsche Klinikreform: Klagen allein helfen nicht

Von Ruppert Mayr, dpa

Die Krankenhäuser beklagen es seit Jahren: zu wenig Geld von den Ländern, zu hohe Belastung in den Notaufnahmen. Die Beschwerden sind nicht unberechtigt. Aber: Nur zu klagen, hilft nicht weiter.

Die junge Frau hat die Nacht in Berlin durchgefeiert und kommt erst frühmorgens nach Hause. Dort kollabiert ihr Kreislauf, sie bricht zusammen und fällt auf den Hinterkopf. Der Bereitschaftsarzt kommt nach einigen Stunden, schickt sie aber sicherheitshalber in die Notfallaufnahme der Charité zum Röntgen. Der Wartesaal in der Ambulanz ist voll. Nach weiteren sieben Stunden verlässt die junge Frau die Klinik wieder. Fazit: Am besten wäre sie direkt in die Notfallaufnahme gegangen.

Solche oder so ähnliche Notfälle gibt es nach Darstellung des Hauptgeschäftsführers der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, zuhauf. Rund 20 Millionen Menschen kommen im Jahr über die ambulante Aufnahme ins Krankenhaus. Rund 10 Millionen werden stationär aufgenommen, die anderen 10 Millionen gehen nach der Behandlung wieder nach Hause.

Genau hier ist das Problem der Häuser. Für die ambulante Notfallbehandlung gibt es für die mit teurer Medizintechnik ausgestatteten Kliniken zu wenig Geld. Ein Defizitgeschäft von einer Milliarde Euro jährlich, rechnete Baum am Dienstag in Berlin vor. Er nannte im wesentlichen zwei Gründe für diese Entwicklung. Die Menschen stimmen mit den Füßen ab, von wem sie im Notfall behandelt werden wollen, nämlich von eben den gut ausgestatteten Kliniken.

Der zweite, wesentlichere Grund sei, dass die niedergelassenen Ärzte ihrer Verpflichtung, Bereitschaftsdienste zu organisieren, nicht in ausreichendem Maße nachkommen. Die Kliniken würden so zu "Lückenbüßern" für Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Die Krankenhäuser wollten endlich selbst mit den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) über Bedingungen und Honorare der Notfallambulanzen verhandeln.

Diese Situation könnte sich noch verschärfen. Denn den Patienten soll nach dem geplanten Versorgungsstärkungsgesetz über Terminservicestellen, die bei den KVen angesiedelten werden sollen, innerhalb von vier Wochen ein Facharzttermin zugewiesen werden. Gelingt dies nicht, kann der Patient direkt in ein Krankenhaus gehen.

Offensichtlich vor diesem Hintergrund teilte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl, mit: "Die Klagen der DKG zeigen, dass die Krankenhäuser schon jetzt überfordert sind und eine weitere Öffnung für ambulante Leistungen erst recht nicht verkraften können."

Diese scharfe Erwiderung lässt kaum hoffen, dass sich niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser absehbar zu einer engeren Zusammenarbeit aufraffen können, wie sie im Versorgungsstärkungsgesetz und bei der Krankenhausreform beabsichtigt ist.

Der Interessenverband kommunaler Krankenhäuser (IVKK) macht darauf aufmerksam, dass insbesondere in ländlichen Regionen die Notfallversorgung weitgehend durch Krankenhäuser abgedeckt werde. Beide Reformen haben gerade den ländlichen Raum im Blick. Angesichts des Medizinermangels auf dem Land sind hier intelligente Lösungen gefragt.

So wäre beispielsweise zum prüfen, ob ein Arzt sowohl ambulante wie stationäre Leistungen erbringen sollte. Das böte eine interessante, sektorenübergreifende Tätigkeit, die gerade jungen Ärzten die Ansiedlung auf dem Land schmackhaft machen könnte, heißt es im Lager der Krankenkassen.

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, appellierte an Kassenärzte wie Krankenhäuser: "Wenn die Kassenärztlichen Vereinigungen ihrem Versorgungsauftrag nicht nachkommen und deshalb die Patienten am Wochenende mit einfachen Erkrankungen in die Notaufnahme kommen, darf das Problem nicht bei den Beitragszahlern abgeladen werden." Vielmehr müssten beide Seiten gemeinsam nach konstruktiven Lösungen suchen.

Ähnlich argumentierte der CDU/CSU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn. Notfallambulanzen der Kliniken sollten besser mit dem ambulanten ärztlichen Notdienst verzahnt werden. "Dann kann man auch über eine bessere Vergütung reden. Genau das haben wir im Versorgungsstärkungsgesetz vor."

apa.at

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