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APA-Artikel 11. Februar 2015

Demenz - Strategiepapier als Basis für Versorgungsnetz

Bis zu 130.000 Menschen leiden derzeit in Österreich an einer Demenz. Bei einer zu erwartenden Verdoppelung der Zahl der Betroffenen bis 2050 soll eine "Österreichische Demenzstrategie" die Rahmenbedingungen für Patienten und Pflegende verbessern, hieß es am Mittwoch bei einer Auftaktveranstaltung zu diesen Aktivitäten in Wien.

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) betonte, man müsse die Tabuisierung und das Ignorieren des Problems beenden. "Die Frage einer Demenzstrategie im Regierungsprogramm hat man sich nicht aus Jux und Tollerei ausgedacht", sagte sie. Man müsse die Demenz als medizinisches und gesellschaftliches Problem vom "Off" ins "On" bringen. Die Betroffenen benötigten eine frühere Diagnose, wahrscheinlich noch wichtiger sei es aber, den Angehörigen den Weg zur Inanspruchnahme von Hilfe zu erleichtern.

Ein Ignorieren des Problems wird wohl weder in Gesellschaft noch in Politik möglich sein. Von einem Stand von 7,1 Millionen Demenzkranken in Europa im Jahr 2000 wird die Zahl bis 2050 auf 16,9 Millionen Betroffene steigen, in Österreich in diesem Zeitraum von 90.500 auf 262.200. Dahinter steckt die demografische Entwicklung. Da 80 bis 90 Prozent des Pflegeaufwandes durch Angehörige der Patienten bestritten werden, sind immer mehr Menschen mit den Konsequenzen dieser Erkrankungen jahrelang konfrontiert.

"Die Tendenz ist steigend. (...) Die Herausforderung ist gegeben", sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ). Man müsse auch daran denken, den Menschen, die in der Versorgung von Demenzpatienten arbeiten, die notwendigen Rahmenbedingungen zu garantieren. Das gelte auch für die Angehörigen.

In Europa haben laut dem deutschen Sozialwissenschafter Volker Hielscher knapp 20 Staaten nationale oder zumindest regionale Strategiepläne zur Planung und Umsetzung von Maßnahmen in der Betreuung von Demenzpatienten. Das reicht von kurzen Rahmenplänen bis hin zu ausgeklügelten Anweisungen für die Umsetzung spezieller Maßnahmen.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde Mittwochmittag der "Österreichische Demenzbericht 2014" präsentiert. Neben vielen anderen Informationen enthält er Statistiken über die medikamentöse Behandlung von Demenzpatienten. Demnach erhält in allen Bundesländern nicht einmal ein Drittel der Erkrankten gegen diese Hirnleistungsstörung wirkende bzw. den Krankheitsverlauf verzögernde Medikamente. Der Anteil lag 2013 in Vorarlberg nur bei 24,7 Prozent, in Wien hingegen bei 30 Prozent. Aus der Statistik geht hervor, dass sich in allen österreichischen Bundesländern die Situation seit 2011 verschlechtert hat. Für eine optimale medikamentöse Therapie wäre auch ein möglichst frühe Diagnose beginnender Demenz notwendig.

apa.at

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