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APA-Artikel 9. Februar 2015

Spitalsärzte - Ausweichen 2 - Privates Bezahlen der Versicherten

Franz Bittner, ehemals auch Vorsitzender der Trägerkonferenz des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, sieht noch einen Effekt der Reformprojekte: "Die Patienten scheinen immer mehr in den 'Privatbereich' auszuweichen, wenn sie keine Termine bekommen."

Bittner schätzt diese Entwicklung negativ ein: "Was mich wirklich stört als ehemaliger (WGKK-)Obmann ist, dass offenbar der 'kassenfreie Raum' (Krankenversicherte zahlen trotz Versicherung für Leistungen, Anm.) mit stiller Zustimmung der Kassen weiter ausgedehnt wird." Wer sich's leisten kann, zahlt.

Das zeigt sich beispielsweise, so der Gründer der Wiener Privatmedizin-Gesellschaft MediClass, Christoph Sauermann, bei seinem Service. Bei dem Unternehmen mit Sitz in Wien-Leopoldstadt handelt es sich laut eigenen Angaben um das größte Ärztezentrum Österreichs. Für eine bestimmte Jahresgebühr können Patienten dort rund 60 Fachärzte und Therapeuten zu Kassentarifen aufsuchen.

Der Manager: "Die Anfrage zu neuen Mitgliedschaften ist signifikant gestiegen. Wir bemerken das insbesondere seit Dezember vergangenen Jahres. Viele Facharztordinationen mit Krankenkassenverträgen nehmen keine neuen Patienten mehr. Da sind die Leute froh, wenn sie nicht drei Ordinationen anrufen müssen, um dann keinen Termin zu bekommen."

Laut dem Geschäftsmann, früher war er in der Pharmaindustrie in leitender Position (Wyeth) tätig, geht es aber auch um die Verfügbarkeit von schnellen und pünktlichen Terminen innerhalb eines guten Zeitrahmens. Wochen- bis monatelange Wartezeiten auf den Termin beim Facharzt wollten sich die Menschen nicht antun. Von den Spitalsambulanzen werde berichtet, dass diese auch in Wien ihren Umfang einschränken. "Da gibt es Ambulanzen, die nicht mehr vier, sondern nur noch zwei Tage in der Woche offen sind. Überlegt wird auch eine Wartenummernausgabe. Wer später kommt, kommt nicht mehr dran."

Auch auf der Angebotsseite bei den Fachärzten, die bei MediClass als Selbstständige ohne Kassenvertrag zu rabattierten Honoraren, aber ohne Investitionsbedarf für eine eigene Ordination arbeiten wollen, sieht es ähnlich aus. Sauermann: "Das sind zumeist Oberärzte, also die Leistungsträger in den Wiener Spitälern. Die dürfen jetzt nur noch 48 Stunden pro Woche arbeiten. Damit haben sie mehr Zeit - und schauen sich nach einem Betätigungsfeld privat um."

Der MediClass-Gründer erwartet auch für die Zukunft steigenden Bedarf an seinem Service. Nicht nur für Privatpersonen, sondern auch Unternehmen, die durch eine Firmenmitgliedschaft die Kosten der Fehlzeiten ihrer Mitarbeiter deutlich reduzieren können. "Wenn im Rahmen der Gesundheitsreform die Spitalsambulanzen ihre Tätigkeit einschränken, bedeutet das einfach mehr Bedarf an Facharztleistungen außerhalb." Ob den die derzeit in der niedergelassenen Praxis mit einer beschränkten Zahl von Kassenverträgen tätigen Fachärzte auffangen könnten, sei eben fraglich.

apa.at

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