zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 5. Februar 2015

Allgemeinchirurgen: vom Handwerker zum Case Manager

Chirurgen haben den Nimbus, vor allem im Operationssaal zu stehen und sonst wenig Patientenkontakt zu haben. Dieses althergebrachte Bild des "Skalpellkünstlers" hat sich heutzutage grundlegend gewandelt, betonte jetzt Sebastian Roka, Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Chirurgen, in einem Interview mit der APA.

"Die Menschen glauben noch immer, dass wir Chirurgen nur den Bauch aufschneiden, wieder zumachen und zur nächsten Operation schreiten. Dieses Bild sollte man gründlich zurechtrücken", sagte Roka, der in nächster Zukunft die Leitung der Chirurgischen Abteilung am Wiener Hanuschkrankenhaus übernimmt. "Wir Chirurgen sind vielmehr die Begleiter der Patienten von der Diagnosestellung über die interdisziplinäre Therapieplanung und Operation bis hin zur Nachbehandlung.

Gerade auf dem Gebiet der Allgemeinchirurgie, im speziellen der sogenannten Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie), nimmt der Chirurg bei der Behandlung von Krebspatienten eine zentrale Rolle ein. Roka: "Heutzutage wird das optimale therapeutische Vorgehen interdisziplinär mit Spezialisten unterschiedlicher Fachdisziplinen in Tumorboards abgesprochen. Der Chirurg führt den Patienten als Case Manager in diesen Boards und begleitet den Patienten von der notwendigen Diagnostik bis zur Nachkontrolle. So ist die Kontinuität der optimalen Versorgung gewährleistet."

Darüber hinaus ist vor allem vor großen Operationen eine Vertrauensbildung zwischen Chirurg und Patient notwendig. "Die Zeiten, in denen einfach etwas operiert wurde und der Patient nicht wusste, welcher Eingriff überhaupt durchgeführt wurde, sind, Gott sei Dank, lange vorbei. Im Gegenteil, mehrfache Gespräche und, auf Wunsch des Patienten, auch die Einbindung der Familie in die Therapieaufklärung haben sich mittlerweile durchgesetzt. Eine empathische vertrauensvolle Beziehung zum Patienten ist in der modernen Chirurgie unverzichtbar", sagte der Arzt.

Der Allgemeinchirurg - davon gibt es in Österreich um die 1.000 - ist aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung ein zentraler Faktor in jedem Krankenhaus. Dazu meinte Roka: "Die häufigsten chirurgischen Eingriffe sind die Versorgung von Leistenhernien, Gallenblasen- und Blinddarmentfernungen. Diese betreffen jährlich mehrere Tausend Österreicher. Hier ist eine zielorientierte Untersuchung durch den Chirurgen unerlässlich und kann helfen, Zeit und Kosten zu sparen." Darüber hinaus sorge der Chirurg in vielen Fällen auch für die Früherkennung von Erkrankungen. Man denke, so der Präsident des Berufsverbandes, nur beispielsweise an die Magen- und Darmspiegelungen per Endoskop.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben