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APA-Artikel 4. Februar 2015

Spitalsärzte - Wiener AKH mit erheblichen Kapazitätsprobleme 1

Das Wiener AKH, Österreichs größte Spitals- und Wissenschaftseinrichtung, hat erhebliche Kapazitätsprobleme infolge der neuen Dienstzeitenregelung für Ärzte. Das zeigt ein Schreiben aus dem Primarärztekollegium an Rektorat, Wissenschaftsministerium und AKH-Direktion. AKH-Direktor Herwig Wetzlinger bestätigte die knappen Personalressourcen. Das Rektorat wollte keinen Kommentar abgeben.

Ärztebetriebsrat, MedUni Wien-Rektorat und Wissenschaftsministerium ringen seit langem um eine Neuregelung bei den Ärztegehältern nach Inkrafttreten der neuen Ärztedienstzeit-Vorschriften Anfang des Jahres. Doch das Geld ist nur eine Seite. Die andere sind die Ärzte-Personalkapazitäten. Wenn Ärzte pro Woche nicht mehr 60, sondern 48 Stunden arbeiten, müssen offenbar Auswirkungen spürbar sein.

"Tatsache ist, dass die Besetzung am Tag geringer ist", sagte der neue AKH-Direktor Herwig Wetzlinger gegenüber der APA. Grund sei, dass die Verhandlungen über eine Neufassung der Betriebsvereinbarung zwischen Rektor Wolfgang Schütz und dem Betriebsrat noch keine Einigung gebracht hätten. Man könne organisatorisch wohl erst nach einem Abschluss weitere Maßnahmen setzen. Mit im Spiel ist das Wissenschaftsministerium, weil die Ärzte der Universitätskliniken Angestellte des Wissenschaftsministeriums sind.

Ein Abteilungsleiter am Wiener AKH/Universitätskliniken erklärte dazu gegenüber der APA: "Man muss zwei Probleme klar trennen: Gehälter und Strukturen." Zuerst müsse die Frage der Ärztegehälter geklärt werden. "Die Ärzte verdienen wie die Ober in der Gastronomie. Sie bekommen ein geringes Grundgehalt, das 'Trinkgeld' waren für sie bisher die Nachtdienste." Fallen diese weg, müsste man das ausgleichen. Das Wiener AKH sei "die letzte Institution", für die es bisher keine Einigung gebe. "Ich habe noch nie einen derartigen Grad an Demotivation bei den Kollegen gesehen." Die zweite Maßnahme müssten strukturelle Änderungen samt Sicherstellung der Ärzte-Personalressourcen mit einem Ausgleich der nunmehr fehlenden Kapazitäten sein.

Bereits Montagmittag ging zu der Causa ein Schreiben aus dem Gremium der Primarärzte des AKH an Rektor, AKH-Direktion, Vertreter des Wissenschaftsministeriums und an mehr als 50 Klinik- und Abteilungsleiter. Darin heißt es unter anderem: "Es besteht kein Zweifel, dass seit der Einführung des KA-AZG (Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz, Anm.) sich die Qualität der Versorgung im Bereich des AKH dramatisch verschlechtert hat. Dieses haben die diversen Klinikvorstände und Abteilungsleiter in unzähligen Wortmeldungen (...) vorgebracht (...)."

Nun sei die Situation trotz Bemühungen der Ärzteschaft in der Qualität der Patientenversorgung "äußerst gefährdet und mehr als nur infrage gestellt", heißt es in dem Schreiben. Im Detail wird genannt: "Etwa 50 Patienten (allein im Thoraxchirurgie-Bereich 30) müssen regelmäßig jede Woche in ihrem Operationstermin verschoben werden, was unweigerlich zu einer katastrophalen Warteliste führt (...)."

Auf der Strahlentherapie müssten Patienten bereits Wartezeiten von zwei Monaten allein nur für einen Vorstellungstermin in Kauf nehmen. Dies führe zu einer "schwerwiegenden Verletzung gegenüber internationalen Richtlinien" in der Patientenversorgung. Unfallchirurgie, Notfallaufnahme, Geburtshilfe und Gynäkologie sowie Kardiologie würden sich "jenseits ihrer Leistungsfähigkeit bewegen, wenn sie sich gesetzeskonform unter Bedachtnahme auf optimale Qualität" verhalten wollten.

Im Rektorat wollte man zu dem Brief keine Stellungnahme abgeben. "Wir kommentieren interne Schreiben nicht öffentlich. Wir sind mitten in Verhandlungen", erklärte am Dienstagnachmittag ein Sprecher.

apa.at

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