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APA-Artikel 4. Februar 2015

Spitalsärzte - Wiener AKH 2 - Ständige OP-Verschiebungen

Der offenen Lösung der Probleme am Wiener AKH mit den Universitätskliniken der MedUni Wien steht offenbar die von Primarärzten und Abteilungsleitern als prekär eingeschätzte Situation an der Spitzenklinik gegenüber. Ein leitender Arzt gegenüber der APA: "Es gibt in allen Operationsbereichen ständig OP-Verschiebungen."

Der international anerkannte Spitzenmediziner fügte hinzu: "Es fehlt das Personal für die Auf- und die Draufsicht in der Ausbildung der Fachärzte. In der Ambulanz steht ein in Ausbildung befindlicher Arzt." Sonst sei da niemand mehr da.

Was noch hinzu kommt: Bei Schwerkranken und schwierig zu betreuenden Patienten benötigt man eine gewisse Kontinuität der behandelnden Ärzte. Das Urteil eines verantwortlichen Arztes: "Wenn da ein Spezialist am Wochenende mit der Therapie eines Patienten beginnt, ist er (nach dem Wochenenddienst; Anm.) frühestens am Mittwoch wieder im Dienst."

AKH-Direktor Herwig Wetzlinger erklärte vor allem zur Situation auf den chirurgischen Abteilungen, es sei das "Anliegen", gemeinsam mit dem OP-Management, den Chirurgen und Anästhesisten organisatorische Maßnahmen so zu setzen, dass man die Kapazitäten möglichst erhalten könne. "Das wird bis zu einem gewissen Zeitpunkt gehen." Dringend notwendige Operationen würden auf jeden Fall durchgeführt. Im Endeffekt hänge man aber von einem Abschluss der offenen Verhandlungen ab. Nur darauf könne man dann allfälligerweise weiter aufbauen.

Selbst wenn man sich auch an den Wiener Universitätskliniken im AKH auf neue Gehaltsregelungen einigen sollte, bedeutet das noch nicht ein Ende der Probleme. Regelmäßig weniger mögliche Arbeitszeit für Ärzte bedingen wohl Leistungseinschränkungen oder mehr Ärzte-Anstellungen.

Man habe seit Anfang des Jahres das neue Ärzte-Arbeitszeitgesetz. Das werde "alle Patienten betreffen", es "werde alle Patienten in Wien betreffen", hieß es vor wenigen Tagen bei einer Pressekonferenz im Wiener AKH aus Anlass des Welt-Krebstages. Die Personalknappheit werde sich auch auf Wissenschaft und Lehre auswirken und sei außerordentlich gefährlich für das Land.

Ein zusätzliches Problem: Österreichweit wird zwar seit Jahren berechtigterweise kritisiert, dass viele Patienten zu schnell primär die ("Notfall")-Spitalsambulanzen aufsuchen bzw. viel zu viel an medizinischer Versorgung über sie laufe. Doch Spitalsambulanz ist nicht gleich Spitalsambulanz. Gerade an Universitätskliniken und in den österreichischen Schwerpunktkrankenhäusern sind jene Spezialambulanzen angesiedelt, ohne welche eine moderne Medizin nach internationalem Spitzenstandard nicht denkbar ist.

"Da lassen sich Einschränkungen nicht mit Primary Health Care-Zentren vor Spitälern abfangen", erklärte am Dienstag dazu ein Wiener Experte, der nicht mit Namen genannt werden will, gegenüber der APA. Im Zuge der Gesundheitsreform sollen in Wien zwei solcher Einrichtungen zunächst als Pilotprojekte installiert werden.

Die Frage der Ärztebesetzung von Spezialambulanzen am Tag ist aber auch eine Frage des Wissenschaftsbetriebes, zu dem die Ärzteschaft ja speziell aufgefordert ist. An Universitätskliniken laufen die klinischen Wissenschaftsstudien ebenfalls über diese Ambulanzen ab. Ohne sie - mit Diagnosestellung, Aufnahme von Patienten in Studien, Betreuung und regelmäßige Kontrollen laut dem Studienprotokoll - geht nichts.

Erst am Dienstag hat beispielsweise der Chef der Urologie-Universitätsklinik im Wiener AKH, Sharok Shariat, in einer Aussendung der MedUni Wien darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, dass Patienten mit einem Prostatakarzinom an Abteilungen mit entsprechender Fallzahl und hoch technisierter Ausrüstung behandelt würden. Dazu benötigt man ohne Zweifel hoch motiviertes ärztliches Personal, das sowohl im stationären Bereich als auch in den entsprechenden Spezialambulanzen verfügbar ist.

apa.at

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