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APA-Artikel 2. Februar 2015

WHO-Experte: Verpflichtende Meldung 2 - Hygieneteams wichtig

Für den WHO-Hygieneexperten Didier Pittet sind alle notwendigen Maßnahmen zur weitgehenden Zurückdrängung von Spitalsinfektionen und zur Bekämpfung von resistenten Keimen vorhanden. Man muss dazu nichts Wesentliches neu "erfinden".

Der Fachmann im Gespräch mit der APA: "Alle Spitäler benötigen ein System zur Überwachung der Situation. Das ist wie ein Radar auf der Autobahn. Wenn man nicht hinschaut, weiß man nicht, wer wie schnell fährt. Dafür benötigt man eine speziell ausgebildete Hygiene-Krankenschwester für hundert Betten und für jeweils vier dieser Krankenschwestern eine Hygiene-beauftragten Arzt."

Der zweite Hauptbestandteil muss laut Pittet die Aufarbeitung der gewonnenen Daten über die Infektionen und Resistenzlage im Krankenhaus und an den einzelnen Abteilungen an die Beschäftigten sein. "Wenn ein Chirurg hört, dass an seiner Abteilung mehr Infektionen auftreten, wird er handeln." Schließlich sollten - unter Gewichtung der Risiko-Population der an den einzelnen Abteilungen behandelten Patienten - "Benchmarks" vergleichbar gemacht werden.

Und schließlich, so der Experte: "Die Meldung der Spitalsinfektionsraten muss verpflichtend gemacht werden. Die Häufigkeit sollte auch veröffentlicht werden." Natürlich müsse man dabei beachten, dass Spitäler und Abteilungen, die mehr Mehrfach- und mehr Schwerkranke behandelten, auch höhere Komplikationsraten aufweisen müssen. Doch das könne man statistisch ausbalancieren.

Druck durch die Öffentlichkeit könne da sicher hilfreich sein, so Pittet: "In Frankreich hat die Zeitschrift 'Le Point' landesweit die Spitäler angerufen und hat nachgefragt." Da hätte dort die nationale Überwachung auf Spitalsinfektionen erst in Gang gebracht und zur Veröffentlichung der Daten geführt.

Die angeblichen Sparzwänge im Gesundheitswesen können sich auf dem Gebiet der Spitalsinfektionen als für die Patienten höchst gefährlich auswirken. Der Experte: "Wir sind nach einem großen Ausbruch von Clostridium difficile in britischen Spitälern gerufen worden. Es hat sich herausgestellt, dass man dort die Reinigung der Krankenhäuser und das Personal 'ausgelagert' hatte." Das hatte zu einer durch Sparwillen bedingten Vernachlässigung der Hygiene geführt und Patienten auch das Leben gekostet.

Niemand in den reichen Staaten der Erde sollte laut Pittet glauben, Spitalsinfektionen und mangelnde Hygiene seien eine Angelegenheit der Dritten und Vierten Welt: "Die Probleme haben alle Staaten, nur kommen in den Entwicklungsländern noch zusätzlich andere Schwierigkeiten hinzu."

apa.at

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