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APA-Artikel 2. Februar 2015

Faymann würdigt verstorbenen Djerassi - Albertina trauert um Sammler

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat "mit großer Anteilnahme" auf den Tod des Wissenschafters und Autors Carl Djerassi reagiert. "Seine wissenschaftlichen Leistungen habe ich immer bewundert, aber vor allem habe ich den Menschen geschätzt, den ich in zahlreichen Begegnungen kennenlernen durfte. Meine Gedanken sind bei seiner Familie und den Angehörigen", teilte Faymann in einer Aussendung mit.

Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) würdigte das Wirken des in Wien geborenen Wissenschafters und Kunstsammlers. "Seiner Liebe zur Kunst und seiner persönlichen Verbundenheit zur Albertina verdanken wir auch eine unschätzbare Bereicherung der Sammlung. Mit einer Schenkung von über 60 Hauptwerken von Paul Klee hat er deutlich gemacht, dass Kunst und Kultur Symbole des Miteinanders und der Versöhnung sind. Dafür gebührt Carl Djerassi besonderer Dank", hielt der Ressortchef fest.

Betroffen zeigte sich auch SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder. Er bezeichnete den verstorbenen Erfinder der Antibabypille in einer Aussendung als wichtigen Wegbereiter für die sexuelle Revolution und für ein selbstbestimmtes Leben der Frauen. "Für Djerassi stand die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der Frau im Vordergrund", so Schieder.

"Djerassi war ein Mensch mit genialen Zügen, der immer mehr als nur ein Leben führte und sich nie davor scheute, sich einem gänzlich neuen Gebiet zuzuwenden. Er war eine der seltenen Persönlichkeiten mit einer Mehrfachbegabung, die sich in der Wissenschaft, der Literatur und der Kunst gleichermaßen zu Hause fühlte. Erfolg hatte er auf allen Gebieten", teilte der Wiener Kultur- und Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) mit. Trotz seiner Vertreibung aus Wien durch die Nationalsozialisten sei Djerassi mit seiner Heimatstadt bis zuletzt in einer herzlichen Freundschaft verbunden gewesen.

Die Albertina verdankt Carl Djerassi eine der reichsten Schenkungen der letzten 15 Jahre. Zwei große Skulpturen von George Rickey sowie 65 Aquarelle, Gouachen und Zeichnungen von Paul Klee hat er der Albertina übergeben, berichtete Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder. "Djerassi hat 2003 wieder intensiven Kontakt zu Österreich gesucht und über eine enge Verbindung mit der Albertina und eine tiefe Freundschaft zu mir persönlich den Weg zurück nach Wien gefunden, um schließlich diese Stadt als seinen dritten ständigen Wohnort neben San Francisco und London zu wählen", so Schröder in einer schriftlichen Stellungnahme.

Nicht nur der Albertina habe Djerassi große Bestände seiner Kunstsammlung zukommen lassen. Nach dem Selbstmord seiner Tochter richtete er eine Stiftung auf seiner Ranch am Pazifik für Literaten, Künstler, Tänzer und Komponisten ein. Seine Skulpturensammlung, darunter eine wertvolle Kollektion an Rodins, hat er dem Museum der Stanford University geschenkt. Über 60 Werke Paul Klees hat er außerdem dem Museum of Modern Art in San Francisco als Schenkung überlassen. Weitere Stiftungen für die Künste und die Forschung der Literatur richtete er nach dem Tod seiner zweiten Frau Diane Middlebrook ein.

"Seinem letzten Wunsch an mich, sein noch nicht publiziertes letztes Buch nach seinem Tod in der Albertina zu präsentieren und eine Gedenkfeier für ihn zu veranstalten, werde ich leider früher nachkommen müssen, als gehofft", berichtete Schröder. Djerassi habe sich für die Rickey-Skulptur, die auf der Albertina Bastei aufgestellt ist, folgende Inschrift gewünscht: "Born 1923, Exile 1938, Reconciled 2003" ("Geboren 1923, Exil 1938, Ausgesöhnt 2003", Anm.).

Ö1 ändert in memoriam Carl Djerassi sein Programm: Am morgigen Sonntag wird um 14.10 Uhr ein Porträt in den "Menschenbildern" ausgestrahlt, am Dienstag folgt um 21.00 Uhr Djerassis Stück "Vier Juden auf dem Parnass" im "Hörspiel-Studio".

apa.at

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