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APA-Artikel 20. Jänner 2015

Spitalsärzte - Wiener Mediziner orteten "Feuer am Dach"

Im Wiener Museumsquartier haben am Montagnachmittag rund 1.500 Ärzte auf Einladung der Wiener Ärztekammer ihrem Unmut zum neuen Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte Luft gemacht. Bei der zweistündigen Veranstaltung wurde auch ein Forderungskatalog beschlossen, der u.a. "attraktive Arbeitszeitmodelle" enthält.

Dem vorangegangen war eine intensive Debatte mit Medizinern aus verschiedenen Häusern. "Wenn die Bedingungen so bleiben, wird es bald keine Ärzte in den Spitälern mehr geben", so etwa Wolfgang Weismüller vom Kaiser-Franz-Josef-Spital, das zum Wiener Krankenanstaltenverbund gehört.

Er forderte ein national und international vergleichbares Grundgehalt, bei dem "jede Stunde über der 40. Arbeitsstunde eine Überstunde ist und auch als solche bezahlt wird." Ähnliche Forderungen stellte auch Thorsten Graf vom Hanusch-Krankenhaus, das zur Wiener Gebietskrankenkasse gehört: "Es ist Feuer am Dach. Eine weitere Verdichtung der Arbeitszeiten ist schlicht nicht mehr möglich, wir sind an der Belastungsgrenze angekommen."

Ernest Zulus vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, das zur Vinzenz-Gruppe gehört, erinnerte an die Situation der Ordensspitäler, in denen traditionell weniger bezahlt werde als in öffentlichen Krankenhäusern. "Auch wir haben das Recht auf marktadäquate Gehälter", meinte er. Die Kollektivvertragsverhandlungen starten im März. Auch für den Nachwuchs sei Österreich nicht mehr attraktiv, erklärte die ÖH-Vorsitzende der MedUni Wien, Sarah Schober.

Vor weiteren Engpässen warnte Martin Andreas vom Wiener AKH, dessen Ärzte in die Zuständigkeit der Medizinischen Universität Wien und damit des Bundes fallen: "Es werden uns nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt, um das neue Arbeitszeitgesetz auch zu leben. Wir sagen, es wird sich nicht irgendwie ausgehen, das Herumwursteln muss ein Ende haben, jemand muss Verantwortung übernehmen." Schon jetzt gebe es Auswirkungen wie längere Wartezeiten in Ambulanzen und weniger Operationen. Sollte es zu keiner Lösung kommen, "drohen ab Februar relevante Punkte auszufallen".

Probleme gebe es auch im St. Anna-Kinderspital, dessen Träger das Rote Kreuz ist, berichtete Wolfgang Mor: Das neue Arbeitszeitgesetz habe dazu geführt, dass der Spitalsbetrieb mit dem bisherigen Personalstand nicht mehr zu bewältigen sei - Geld für neue Fachärzte habe es jedoch keines gegeben. Erst Umschichtungen im Budget hätten die Einstellung neuer Assistenten möglich gemacht. "Dass uns die öffentliche Hand so aushungert, kann nicht sein", betonte er.

Gemeinsam einigte man sich auf einen Forderungskatalog, der u.a. die Einhaltung des Ärztearbeitszeitgesetzes der Europäischen Union, attraktive Arbeitszeitmodelle, die eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf erlauben, sowie Zeit für Aus- und Weiterbildung festhält. Die Bezahlung soll auf ein international übliches Niveau angehoben werden - vor allem die Grundgehälter sollen auf Basis einer 40-Stunden-Woche neu berechnet werden. Zusätzlich soll die gesetzliche Standesvertretung als Verhandlungspartner auf allen Ebenen anerkannt werden.

Der Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, Hermann Leitner, zeigte sich "wirklich beeindruckt" von der Zahl der anwesenden Mediziner. Er forderte die Politik auf, die Ärzte "wieder ins Boot zu holen" und Arbeitszeit und Grundgehälter anzupassen. Ansonsten werde es nicht nur Einschränkungen für die Patienten geben müssen, sondern man werde sich "vielleicht auch im Happel-Stadion" wiedersehen.

Unterstützung kam via Aussendungen auch vonseiten der Wiener Oppositionspolitiker: "Seit Jahren wusste man in Wien von einer bevorstehenden Änderung der Dienstzeiten sowie der dementsprechenden Gehälter und die Stadt hat wie so oft die Hände in den Schoß gelegt und abgewartet", erklärte Wiener VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. Das führe nun unweigerlich zu Versorgungsmängeln, sorgte sich auch Landesparteiobmann Manfred Juraczka.

Zu erwartende Engpässe müssten unbedingt verhindert werden, meinte auch der nicht amtsführende FPÖ-Stadtrat David Lasar. "Niemand möchte einen so hochwertigen Job unter derart miserablen Bedingungen ausüben. Wien liegt weit unter dem internationalen Niveau wenn es um die Bezahlung der Ärztinnen und Ärzte geht", so Lasar.

apa.at

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