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APA-Artikel 19. Jänner 2015

Spitalsärzte - OÖGKK pocht auf offene Ambulanz, Ärzte auf Arbeitszeit

Die Oö. Gebietskrankenkasse hat am Montag "irritiert" auf Ambulanzschließungen in Ried reagiert. Die Ambulanzen werden aus Versicherungsbeiträgen bezahlt, so Obmann Albert Maringer in einer Aussendung. Sie hätten "durch Verträge, Gesetz und Spitalsplan" einen klaren Versorgungsauftrag. Die Ärztekammer pochte hingegen auf die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes.

Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried im Innkreis hatte am Sonntag die Schließung neurologischer Spezialambulanzen angekündigt, weil man das Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte anders nicht einhalten könne. 1.000 Kontrolltermine pro Jahr sollen dadurch entfallen. Die betroffenen Patienten mit Multipler Sklerose, Parkinson, Gedächtnisstörung, Epilepsie sowie nach Schlaganfällen werden auf den niedergelassenen Bereich verwiesen - allerdings gibt es im ganzen Bezirk nur einen Neurologen mit Kassenvertrag.

Die OÖGKK kritisierte, die Krankenhausleitung habe keinen Kontakt mit der Kasse aufgenommen. Man sei bereit, an Verlagerungen von Leistungen mitzuarbeiten. Zweimal zu zahlen - einmal an das Spital, das diese Leistungen nicht mehr erbringen wolle, und einmal an die niedergelassenen Ärzte - komme allerdings nicht infrage.

Für Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser tritt durch die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes ein Strukturmangel nun offen zutage. "In erster Linie haben die Spitäler den Auftrag, medizinische Notfälle zu versorgen oder hoch spezialisierte Leistungen zu erbringen, die nicht im niedergelassenen Bereich erbracht werden können." Die dafür notwendigen Strukturen seien aber von der Politik sicherzustellen und nicht von der Ärzteschaft, so Niedermoser.

Für den SPÖ-Klubvorsitzenden Christian Makor ist LH Josef Pühringer (ÖVP) an der jetzigen Eskalation mitschuldig, weil er es im Vorjahr verabsäumt habe, die Zeit für Verhandlungen mit Ärzten zu nutzen. Die betroffenen Patienten seien nun gezwungen, auf teure Wahlärzte auszuweichen. Es müsse daher rasch ein "gerechtes" Angebot für Ärzteschaft und Pflegekräfte auf den Tisch, so Makor.

Die freiheitliche Gesundheitssprecherin Brigitte Povysil bemängelte, dass es nach wie vor an zeitgemäßen Kassenverträgen und akzeptablen Gruppenpraxenmodellen fehle. "Die FPÖ hat der Spitalsreform unter der Voraussetzung zugestimmt, dass im niedergelassenen Bereich die notwendigen Adaptierungen zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit der Bevölkerung vorgenommen werden." Pühringers Ankündigung, bei Engpässen eine Öffnung der gesperrten Ambulanzen anzuordnen, könne sie aber nichts abgewinnen, so Povysil.

apa.at

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