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APA-Artikel 15. Jänner 2015

Kassen: Pflege in Deutschland ist besser geworden

Nach teils massiver Kritik in den vergangenen Jahren ist die Qualität der Pflege in Deutschland auf dem Weg der Besserung. Zu diesem Ergebnis kommt der 4. Pflegequalitätsbericht der Krankenkassen, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Fortschritte zeigten sich demnach bei der Vermeidung von Druckgeschwüren, bei der Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung der Pflegebedürftigen oder beim Verzicht auf freiheitseinschränkende Maßnahmen wie Gurtanlegen. Schwächen waren bei der Versorgung von Menschen mit ständigen Schmerzen zu erkennen.

Der Medizinische Dienst (MDS) des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) untersuchte 2013 die Versorgungsqualität von 146 000 Menschen. "Der Bericht zeigt, dass sich die Pflegequalität in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert hat. Er zeigt aber auch, dass noch viel zu tun ist", erklärte der Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, Gernot Kiefer.

MDS-Geschäftsführer Peter Pick sieht Verbesserungsbedarf beim Schmerz- und Medikamentenmanagement, also bei Dosierung und Einnahme von Arzneimitteln, sowie bei der sogenannten Inkontinenzversorgung. Hier sollten die Einrichtungen und Pflegenden stärker darauf achten, die Selbstständigkeit beim Toilettengang zu fördern. Zu oft würden pflegebedürftige Menschen mit Windeln oder Kathetern versorgt, obwohl es nicht nötig wäre.

2,6 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Das heißt, sie brauchen Hilfe bei der Körperpflege, beim Kochen, beim An- und Ausziehen oder bei Besorgungen. Zwei Drittel dieser Menschen werden ambulant, ein Drittel stationär betreut.

Nach Angaben von GKV und MDS waren 2013 63,8 Prozent der Pflegeheimbewohner in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt. 2010 waren 60,7 Prozent dement oder verwirrt. Knapp 76,8 Prozent erhielten eine Inkontinenzversorgung, vier Jahre zuvor waren es erst 66,2 Prozent. 35 Prozent der Bewohner hatten chronische Schmerzen, rund 3 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. 3,8 Prozent hatten ein Druckgeschwür, 2010 hatten noch 4,4 Prozent einen Dekubitus. Bei 7,6 Prozent wurde ein erheblicher Gewichtsverlust festgestellt (2010: 9,1 Prozent). Freiheitseinschränkende Maßnahmen sanken zwischen 2010 und 2013 von 20 Prozent auf 12,5 Prozent.

Die Qualität der Versorgung von Pflegebedürftigen stand in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik. Ein Vorwurf lautete, dass sich Betroffene kein angemessenes Bild über die tatsächliche Qualität eines Heimes oder eines ambulanten Pflegedienstes machen konnten, weil die Bewertungen grundsätzlich positiv und damit wenig aussagekräftig waren. Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), will diese Gutachten, den sogenannten Pflege-TÜV, bis Mitte des Jahres auf eine neue Grundlage stellen.

apa.at

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