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APA-Artikel 7. Jänner 2015

Basler Spitalapotheke spart mit angebrochenen Medikamentenpackungen

Steigende Gesundheitskosten lassen Spitäler neue Sparpotenziale suchen. Das Universitätsspital Basel (USB) hat eines gefunden bei speziellen Medikamenten, so genannten Nichtlagerpräparaten: Die Spitalapotheke nimmt davon neu auch angebrochene Packungen zurück für spätere neue Fälle.

Häufig verwendete Medikamente bestellen die einzelnen Stationen des Spitals nach Bedarf. Dort werden die Packungen in der Regel fortlaufend aufgebraucht. Die Spitalapotheke ist interne Grossistin für die Stationen: Sie besorgt Einkauf, Lagerung und Verteilung im USB, das für 2013 gut 33'000 stationäre Austritte auswies.

Unbenutzte ganze Medikamentenpackungen konnten die Stationen schon bisher unversehrt der Spitalapotheke zurückgeben. Neu werden auch Anbruchpackungen von Nichtlagerpräparaten angenommen. Ab 40 Franken Packungswert und drei Monaten Resthaltbarkeit lohnt sich im USB der Rücknahmeaufwand samt Prüfung, sagt Projektleiter Martin Stalder zur Nachrichtenagentur sda.

Das Unispital spart nicht nur Entsorgungskosten, wenn es zum Beispiel von einer Zehnerpackung fünf nach einer Behandlung übrig gebliebene Pillen behält. Sondern es spart Geld und Zeit, wenn es das betreffende Medikament nicht wieder extra bestellen muss.

Besonders teuer sind Beschaffungen rarer Präparate in Notfällen, die man sich so teils sparen kann. Je nach Zustand des Patienten liess man Medikamente bisher auch ab und zu teuer per Expresskurier von auswärtigen Spitälern herbringen.

Die Akzeptanz der Anbruchpackungen sei in Basel "absolut problemlos". Die Spitalapotheke prüft jede einzelne Retoure, unter anderem auch, ob die innere Packung beschädigt ist. Aus Sicherheitsgründen wird indes nicht alles angenommen; ausgeschlossen sind unter anderem Kühlwaren, angebrochene Behälter lose verpackter Pillen oder Tropfen und Salben.

Zur guten Akzeptanz trägt gewiss auch der interne Preis bei: Alle Medikamente werden bei der Erstöffnung voll verrechnet. Stationen, die Retouren verwenden, bezahlen dafür dann nur noch zehn Franken Bearbeitungsaufwand pro Packung, egal, was diese gekostet hatte. Für das Projekt wurde laut Stalder die Betriebssoftware SAP adaptiert.

Innert der ersten fünf Monate summierten sich die Einsparungen durch die Weiterverwendung angebrochener Packungen zu rund 40'000 Franken. Auf ein Jahr hochgerechnet liegt das Basler Universitätsspital laut Stalder mit gut 85'000 Franken bereits in einer relevanten Grössenordnung.

Optimierungspotenzial sieht Stalder noch mit einer weitergehenden Zentralisierung der Sonderbestellungen und mehr interner Beratung. Zum Vergleich: Insgesamt verbraucht das Unispital Basel jährlich Medikamente im Einkaufsgesamtwert von etwa 45 Millionen Franken, dies bei einem Betriebsertrag von 974 Millionen Franken.

Stalder war bei einer Spitalpharmazie-Weiterbildung des Schweizer Apothekerverbandes auf das Thema gestossen. In der Folge hat er es in Basel systematisch aufgegleist. Auch andere Schweizer Spitäler brauchen angebrochene Packungen auf, wie seine Umfrage ergeben habe. Aber kaum jemand habe das durchorganisiert und evaluiert.

Für kleinere Häuser - etwa von Kantonsspitälern abwärts - sei die Rücknahme von Anbruchpackungen nichts Neues, bestätigt Enea Martinelli, Ressortleiter Politik beim Spitalverband H+ und Spitalapotheker in Interlaken. Trotz deren Überschaubarkeit sei das indes "relativ aufwendig", und deshalb werde gelegentlich etwas weggeworfen.

Für die ganz grossen Häuser wie die Unispitäler Basel oder Bern sei der Aufwand indes deutlich grösser. Daher haben diese laut Martinelli erst begonnen, Anbruchpackungen in ihrer Spitalapotheke zurückzunehmen. Zudem lassen sich schwierige Fälle eben in Spitzenmedizin-Häusern behandeln, weshalb Nichtlagerpräparate dort eher gefragt sind als in Regionalspitälern - und so später auch aufgebraucht werden können.

apa.at

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