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APA-Artikel 5. Jänner 2015

Augenärzte bekommen mit 3D-Brille neuen Einblick

In Flugzeugen gibt es das schon lange: Piloten können an der Frontscheibe Daten ablesen, sie müssen nicht nach unten auf die Instrumente blicken. Jetzt wandert diese Technik in die Augenmedizin.

Wenn Prof. Claus Eckardt das Skalpell ansetzt, blickt er nicht wie seine Kollegen nach unten in ein Mikroskop. Er hat eine 3D-Brille auf der Nase und schaut auf einen Bildschirm neben dem Patienten. Der Chefarzt der Augenheilkunde am Klinikum Frankfurt-Höchst arbeitet mit einer neuen Technik, die über die Luftfahrt zur Medizin kam.

Nach Angaben der von Klinik-Sprecherin Petra Fleischer ist er der erste Augenarzt weltweit, der das Verfahren einsetzt. Eckardt hat seine neue Methode bereits bei einigen Kongressen vorgestellt. Eine Publikation in der Fachzeitschrift "Retina" ist in Arbeit. Auf einigen anderen Medizin-Gebieten wird eine 3D-Brille bereits genutzt.

Knapp 70 000 Euro kostet das in Frankfurt-Höchst eingesetzte Gerät, eine Mischung aus Mikroskop und 3D-Kamera. Das tief in den roten Zahlen steckende Klinikum konnte es sich nur mit Geld eines Fördervereins leisten. Seit Monaten arbeitet Eckardt ausschließlich mit 3D-Brille. "Ich habe noch nie mit einem so sicheren Gefühl operiert", sagt er: Das Bild des Auges sei nicht nur plastischer, sondern auch größer und heller.

Der Operateur müsse nicht stundenlang in unbeweglicher Haltung sitzen. Einziger Nachteil: Die Auflösung des Bildes sei - "bisher noch" - schlechter. Um einschätzen zu können, was 3D bringt, bat er Studenten und Pflegekräfte unter dem Mikroskop und mit einer 3D-Brille Nägel anzuordnen und Pailletten aufzufädeln. Das Ergebnis: Die Hälfte der 20 Probanden fand das mit der 3D-Brille schneller, fast alle bezeichneten die Arbeitshaltung damit als bequemer.

Die ersten "Head up Displays" (wörtlich: Kopf-oben-Anzeigen) wurden für die Luftfahrt entwickelt. Der Pilot kann durchgängig geradeaus schauen, weil Informationen in sein Sichtfeld projiziert werden, für die er früher nach unten auf seine Instrumente blicken musste. Auch einzelne Autohersteller haben mit der Technik experimentiert, ebenso die Hersteller von Computerspielen.

Für die Medizin sei die Technik vielversprechend, heißt es beim Bundesverband Deutscher Ophthalmochirurgen (Augen-Operateure). "Das ist eine Spur, die wir weiter verfolgen sollten", sagt Vorstandsmitglied Andreas Mohr (Bremen). Man dürfe sich davon aber auch "keinen Quantensprung in der Qualität" erwarten: Die Ergebnisse seien schließlich auch in 2D nicht schlecht. Ob sich die Technik durchsetze, hänge von vielen Faktoren ab: was kostet das, wie gut ist es umzurüsten, wie groß ist der Unterschied?

3D-Chirurgie ist nicht auf Augenheilkunde beschränkt. "Es kann in allen Disziplinen eingesetzt werden, die ein chirurgisches Mikroskop erfordern", erklärt Robert Reali von der Medizintechnikfirma TrueVison. Sie verkauft die Geräte nach eigenen Angaben auch an Neurochirurgen, für Wirbelsäulen-Operationen und an HNO-Ärzte. "Aktuell werden 3D-Anwendungen auch für Zahnärzte, Orthopäden und plastische Chirurgen entwickelt", berichtete Reali. In der Asklepios Klinik Weißenfels (Sachsen-Anhalt) nutzen Urologen das 3D-Verfahren, um Blasen und Nieren per Schlüsselloch-Technik zu operieren.

apa.at

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