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APA-Artikel 5. Dezember 2014

Schweiz: Bund will pflegende Angehörige besser unterstützen

Wer kranke Familienmitglieder pflegt oder betreut, soll dabei in Zukunft vom Staat besser unterstützt werden. Der Bund will zusammen mit Kantonen und Gemeinden die Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Erwerbstätigkeit verbessern.

Die Angehörigenpflege werde wegen der demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren noch wichtiger, teilte der Bundesrat am Freitag mit. Dem Schweizer Gesundheitssystem würden das nötige Personal und Geld fehlen für die vollumfängliche professionelle Pflege auch jener Kranken, die heute durch Angehörige betreut werden.

Das Gesundheitsobservatorium Obsan prognostiziert laut Bericht bis 2020 einen zusätzlichen Personalbedarf in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sowie bei Spitex-Diensten von rund 18'000 Fachpersonen; das sind 13 Prozent. Gleichzeitig seien bis 2020 rund 60'000 der Gesundheitsfachkräfte (30 Prozent) wegen Pensionierung zu ersetzen.

Die Lage hat sich laut Bericht auch geändert mit neuen Formen des Zusammenlebens und einer steigender Frauen-Erwerbsquote. Die Betreuung und Pflege schwer erkrankter oder sterbender Angehöriger sei für jene, die sie leisten, häufig eine grosse Belastung. Diese könne zu Erschöpfung oder anderen Gesundheitsproblemen führen.

Verschiedene Massnahmen sollen pflegende Angehörige unterstützen. Genannt werden neben besseren Informationen und gesellschaftlicher Anerkennung zum Beispiel auch mehr Entlastung durch Freiwillige oder durch Ferienbetten in Alters- und Pflegeheimen.

Verbessert werden müsse zudem die Vereinbarkeit der Angehörigenpflege mit einer Erwerbstätigkeit. Heute könne die Angehörigenpflege zur Gefährdung der eigenen beruflichen Laufbahn und der materiellen Existenz führen. Pflegebedingte Absenzen verursachten ungedeckte Einkommenseinbussen und Vorsorgelücken.

Daher will der Bundesrat in den nächsten zwei Jahren neue rechtliche Grundlagen erarbeiten. Zum Einen geht es um bessere Rechtssicherheit bei kurzzeitigen Abwesenheiten vom Arbeitsplatz. Die Kinder-Pflege werde heute kantonal unterschiedlich gehandhabt, und bei kranken Erwachsenen ohne Unterstützungspflicht fehlten allgemeine Regelungen.

Zum anderen werde für längere pflegebedingte Abwesenheiten die Einführung eines Betreuungsurlaubs mit oder ohne Lohnfortzahlung geprüft. Denkbar seien auch Arbeitszeitreduktionen oder Betreuungsgutschriften. Ziel ist zudem laut Bundesrat, die Unternehmen stärker für die Problematik zu sensibilisieren.

Rund 330'000 Personen im Erwerbsalter übernähmen in der Schweiz regelmässig Pflege- und Betreuungsaufgaben. Rund 700'000 Personen aller Altersstufen seien heute auf informelle Hilfe angewiesen; die Zahl der älteren Pflegebedürftigen werde jedoch "stark zunehmen". Zudem erkrankten jährlich rund 1000 Kinder schwer.

Der Schweizer Spitex-Verband hatte im September mit einer Studie den Gesamtwert der im Jahr 2013 von Angehörigen und Nachbarn in der Schweiz geleisteten unbezahlten Pflege- und Betreuungsarbeit auf 3,5 Mrd. Franken beziffert. Das war knapp das Doppelte des Aufwands aller Spitex-Organisationen.

apa.at

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