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APA-Artikel 3. Dezember 2014

Spitalsärzte - Salzburgs Mediziner hoffen nun auf den Landeshauptmann

Das zähe Ringen um ein neues Gehaltsschema für Salzburgs Spitalsärzte sei nur der Beginn des Problems. In Europa würden bis 2020 rund 230.000 Mediziner fehlen. Die Attraktivität des Arbeitsplatzes entscheide, wo die Ärzte in der Zukunft sein werden. Darauf machte einen Tag nach der gescheiterten Verhandlungsrunde der Salzburger Ärztekammer-Präsident Karl Forstner vor Journalisten aufmerksam.

Sowohl international als auch national werde der Verdrängungswettbewerb weiter zunehmen. "Bei einer Ausschreibung für eine Facharztstelle gibt es schon heute keine Hoffnung mehr, auch einen Facharzt zu bekommen, daher schreibt man gleich einen Fach- oder Assistenzarzt aus." Von den rund 1.450 Jungärzten, die jedes Jahr von den heimischen Universitäten kommen, würden nur 900 in Österreich einen Job antreten, davon viele Frauen auch nur in Teilzeit. Die Ausbildung der rund 500 Ärzte, die offenbar gleich ins Ausland abwandern, habe Österreich aber 100 Millionen Euro gekostet, so Forstner. Berücksichtige man auch noch die bevorstehenden Pensionierungen, sei mit 8.000 bis 10.000 fehlenden Ärzten in Österreich im Jahr 2029 zu rechnen.

"Das ist ein Systemversagen der Politik, und man kann dieses nur sehr eingeschränkt reparieren. Selbst wenn man an den Universitäten viel mehr Ärzte ausbildet, dauert dies so lange, dass es erst in 15 bis 20 Jahren wirklich greifbare Wirkung zeigen würde", so der Präsident. Daher sei die einzige mögliche Reaktion, die Attraktivität der Arbeitsplätze in Österreich zu erhöhen. Welchem Konkurrenzkampf die Spitäler ausgesetzt sind, rechnete Jörg Huter, der Kurienobmann der angestellten Ärzte, vor: Am 2. Dezember habe das Unfallkrankenhaus die Stelle eines Sekundararztes ausgeschrieben und darin ein Jahresgehalt von 97.400 Euro angeboten. Eine Ausschreibung der Landeskliniken vom selben Tag für eine gleiche Stelle bot ein Jahreseinkommen von 43.400 Euro. "Das ist weniger als die Hälfte", so Hutter.

Für Salzburg fordern die Vertreter der Mediziner ein "marktkonformes" Angebot nach dem Vorbild Steiermark. Dazu müsste das Land 13 Mio. Euro in die Hand nehmen. Den Fast-Stillstand bei den Verhandlungen begründeten die Ärztevertreter mit nicht nachvollziehbaren Berechnungen des Landes. So habe es geheißen, dass das neue Gehaltsschema für die Ärzte im Durchschnitt 12.000 Euro mehr im Jahr bedeuten würde. Bei einer Informationsveranstaltung am Dienstagnachmittag wurden dann einzelne Karrieren durchgerechnet. Und da habe sich herausgestellt, dass es bei vielen in Wahrheit nur 2.000 oder 3.000 Euro wären, einige würde sogar weniger bekommen. Ihrer Wut ließen die Mediziner dann freien Lauf, indem sie ihre weißen Mäntel Finanzreferenten LHStv. Christian Stöckl (ÖVP) vor die Füße warfen und den Saal verließen.

Schwung in die festgefahrene Situation erhofft sich Forstner nun von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP). Er habe ihn gebeten, sich in die Verhandlungen einzubringen. Die Kammerfunktionäre stellten heute auch einen Vergleich mit dem etwa gleich großen Kärnten an. Dort habe der Landeshauptmann angekündigt, unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen auf jeden Fall um 13,5 Mio. Euro mehr zur Verfügung zu stellen. Und jeder wisse, wie es um die Finanzlage Kärntens bestellt sei. "Kärnten ist in der Lage, etwas zu tun, nur bei uns steht das Landesbudget über allem", so Forstner.

apa.at

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