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APA-Artikel 1. Dezember 2014

Gerichtsmedizin: "Die Politik ist nun endgültig in der Pflicht"

Der Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Hermann Leitner, sieht sich in seinen Forderungen nach einer Lösung für die Gerichtsmedizin in Wien durch den soeben veröffentlichten Bericht des Österreichischen Wissenschaftsrats bestätigt. Leitner fordert nun "umgehende Entscheidungen".

In seinem Bericht zur Situation der Gerichtsmedizin in Österreich stellt der Wissenschaftsrat, der den für Wissenschaft und Forschung zuständigen Bundes¬minister in allen Fragen, die das österreichische Universitäts- und Wissen¬schaftssystem betreffen, berät, unter anderem fest: "Die öffentliche Hand ist für die Finanzierung einer qualitativ hochwertigen, unabhängigen universitären Gerichtsmedizin verantwortlich." Und weiter: "Für Wien müssen Justiz, Gesundheitsbehörden, Stadt Wien und MUW (Medizinische Universität Wien, Anm.) gemeinsam zu einer Lösung der Obduktions- und Finanzierungsproblematik kommen."

Damit bestätigt der Bericht viele und schon lange seitens der Ärztekammer kritisierte Punkte. Leitner: "Wir haben es nun schwarz auf weiß, dass der Minister in der Pflicht steht, rasch entsprechend zu handeln, bevor die geschichtsträchtige Gerichtsmedizin in Wien endgültig ins Aus geschickt wird." Der Wissenschaftsminister müsse dafür sorgen, dass schnellstens die notwendigen Geldmittel für die Ausbildung zukünftiger Gerichtsmediziner zur Verfügung gestellt würden.

Auch die Stadt Wien sieht Leitner in der Pflicht. Sanitätsbehördliche Leichenöffnungen aus "fragwürdigen Kostengründen" in einem Container durchführen zu lassen und gleichzeitig herunterzufahren, führe "sicher nicht zu einer Qualitätssicherung und Rechtssicherheit". Zudem zeige der Bericht des Wissenschaftsrats unmissverständlich auf, dass mit einer Container-Lösung der Gerichtsmedizin in ihrer gesamten inhaltlichen Breite nicht wirklich entsprochen werden könne. "Dem kann ich mich nur vollinhaltlich anschließen", so Leitner.

Zudem lässt die Stadt Wien sanitätsbehördliche Leichenöffnungen von Pathologen durchführen, obwohl diese dafür gar nicht ausgebildet sind. Dazu heißt es im Bericht: "Unter wissenschaftlichen und kriminalistischen Qualitätsaspekten ist dieser Zustand untragbar." "Sanitätsbehördliche Leichenöffnungen müssen so rasch wie möglich wieder von Gerichtsmedizinern durchgeführt werden", fordert der Vizepräsident.

Keine einzige Ausbildungsstelle mehr in Wien

In ganz Österreich gibt es sechs Ausbildungsstellen für Gerichtsmediziner. Keine davon befindet sich in Wien, "und das, obwohl der Beginn der Gerichtsmedizin in Wien bis ins 18. Jahrhundert rückverfolgbar ist", zeigt Leitner großes Unverständnis zur aktuellen Situation. Der Bedarf an ausgebildeten Gerichtsmedizinern für die Zukunft kann somit nicht mehr gedeckt werden.

Für Leitner verschlechtere "das Hin und Her bei der Finanzierung die bereits jetzt schon desaströsen Zustände der Gerichtsmedizin" noch mehr. Die logische Folge sei eine weitere Reduktion der sanitätsbehördlichen Leichenöffnungen, "was wiederum dem Nichterkennen von strafrechtlich relevanten Fällen, wie beispielsweise Vergiftungen, massiven Vorschub leistet".

Ein politisches Bekenntnis der öffentlichen Hand zur Sicherung der universitären Gerichtsmedizin sei dringend notwendig, so wie es auch im Bericht des Österreichischen Wissenschaftsrats steht. Leitner: "Einmal mehr fordere ich eine rasche Lösung durch den Wissenschaftsminister und die Gesundheitsstadträtin. Es darf nicht sein, dass die Politik die Rufe aus allen Richtungen nach einer Lösung so dermaßen ignoriert und es nicht schafft, Ausbildung, Forschung und Lehre sowie Rechtssicherheit in Wien wieder entsprechend herzustellen." (kmc)

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/30/aom

apa.at

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