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APA-Artikel 26. November 2014

Sterbehilfe: Experten forderten bei Enquete Hospiz-Stufenplan

Die Hospiz- und Palliativversorgung war am Dienstag Thema der parlamentarischen Enquete zur Sterbehilfe mit dem Titel "Würde am Ende des Lebens". Einigkeit unter den Vertretern der Klubs herrschte laut Parlamentskorrespondenz weiterhin über die Notwendigkeit eines Ausbau des Angebots in Österreich. Experten forderten einen Stufenplan, der auch die Finanzierung sicherstellen soll.

Es dürfe weder vom finanziellen Hintergrund noch vom Wohnort abhängen, wie man das Ende seines Lebens verbringt und versorgt wird, so der Tenor der Sitzung. Die zentrale Frage liege bei der Finanzierung, vor allem im Hinblick auf Budgetkonsolidierung und die Kompetenzlage sowohl zwischen Bund und Ländern als auch zwischen Sozialministerium und Gesundheitsressort.

Auch herrschte laut völlige Übereinstimmung in der prinzipiellen Frage, dass die Selbstbestimmung des Einzelnen unantastbar ist, auch am Ende des Lebens. Wie weit diese Selbstbestimmung am Ende des Lebens aber gehen kann, bedürfe noch eingehender Erörterung, wie aus den Wortmeldungen deutlich wurde. Jedenfalls habe die Enquetekommission die zentrale Aufgabe, diese beiden Punkte einer Klärung zuzuführen, so der allgemeine Tenor laut Parlamentskorrespondenz.

In seiner Analyse über den Status quo der Hospiz- und Palliativversorgung ortete Karl Bitschnau, Vizepräsident des Dachverbands Hospiz Österreich, einen "Fleckerlteppich". Von sechs Bausteinen in diesem Bereich sei nur einer durch eine Regelfinanzierung abgesichert, schilderte Bitschnau die Situation und forderte die Ausarbeitung eines Stufenplans bis zum Jahr 2015, um spätestens 2020 Palliativ- und Hospizangebote für alle Menschen erreichbar, leistbar und zugänglich zu machen. Dieser Plan sollte noch vor dem Sommer des nächsten Jahres dem Parlament vorgelegt und die Umsetzung durch jährliche Berichterstattung überprüft werden.

Aus der Praxis sprach der Palliativmediziner Herbert Watzke. Eine Studie habe ergeben, dass palliativmedizinische Betreuung die Lebensqualität der Betroffenen signifikant verbessere, diese weniger depressiv seien und auch wesentlich seltener auf Intensivstationen stürben. Watzke sprach sich daher für die Schaffung einer speziellen palliativmedizinischen Zusatzausbildung von Ärztinnen und Ärzten aus. Hinsichtlich der Verankerung der Palliativmedizin in den Lehrplänen für Studierende der Medizin sei man in Österreich gut aufgestellt.

Die Forderungen der Experten wurden vom Präsidenten des Österreichischen Seniorenrats, Andreas Khol (ÖVP), voll inhaltlich unterstützt. Er appellierte an die Kommissionsmitglieder, in der Sozialversicherung einen Rechtsanspruch auf hospiz- und palliativmedizinische Betreuung zu verankern. Khol setzte sich auch für einen leichteren Zugang zur Vorsorgevollmacht ein und verlangte, dass die Kosten für die Patientenverfügung von den Krankenkassen zu tragen sind.

Auch die Abgeordneten nahmen die Expertenvorschläge positiv auf. Man war sich einig, dass die Finanzierung die zentrale Frage darstellt, um den Bedarf an Palliativ- und Hospizangeboten sicherzustellen. Auffassungsunterschiede gab es weiterhin in Fragen der Selbstbestimmung.

Am Ende der Sitzung lud Vorsitzende Gertrude Aubauer (ÖVP) alle Bürgerinnen und Bürger ein, noch bis zum 31. Jänner Anliegen und Stellungnahmen an die Enquetekommission ( ) zu senden. Thema wir dann die Finanzierung, insbesondere die Möglichkeiten, das Angebot auszubauen, und die Einbeziehung von Ländern und Körperschaften sein.

Die nächste Sitzung der Enquetekommission findet am Dienstag, dem 12. Dezember 2014 statt.

apa.at

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