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APA-Artikel 27. Oktober 2014

Nach 25 Jahren: Wiener AKH-Chef Krepler tritt in den Ruhestand

Ein Marathon, der die menschliche und hochqualitative Betreuung Kranker ins Zentrum des Handelns stellt, geht zu Ende. Der Chef des Wiener AKH, Reinhard Krepler, tritt in den Ruhestand. Nach 25 Jahren als Ärztlicher Direktor und schließlich als Gesamtchef der Klinik hat er das österreichische Gesundheitswesen erheblich mitgeprägt. Im Gespräch mit der APA zog er jetzt Bilanz.

Die große Abschiedsfeier hat Krepler, der mit 1. April 1989 zum Ärztlichen Direktor des damals in Fertigstellung befindlichen Krankenhauses bestellt worden war, bereits hinter sich. Am 17. Oktober war der Hörsaal 1 der MedUni Wien gesteckt voll. Bundespräsident Heinz Fischer, Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ), Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ), MedUni-Rektor Wolfgang Schütz hatten sich eingefunden, um zusammen mit Freunden, Kollegen und Mitarbeitern das Ende einer Ära zu begehen.

Was alle Festredner betonten: Die Intensität, mit der sich Krepler - ab 2001 auch als Gesamtchef des größten Krankenhauses Österreichs - mit seiner Arbeitsstätte und mit seiner Aufgabe identifizierte. "Ich bin jeden Tag mit Freude in mein Büro gekommen, um gemeinsam mit allen Mitarbeitern die Versorgung der Patienten in unserem Spital noch besser zu machen. Das ist ein ständiger Prozess", sagte der Arzt, ausgebildeter Pathologe und lange Jahre als Wissenschafter tätig.

Ärztlicher Direktor des Wiener AKH wurde Krepler 1989 zu einer Zeit, als sich das Großkrankenhaus in Fertigstellung befand. Die Übersiedlung der Abteilungen war zu bewerkstelligen, das Gesamtsystem des riesigen Krankenhauses mit den Universitätskliniken in Betrieb zu nehmen. "1996 übersiedelte die letzte Abteilung", schilderte Krepler. Nach den Wirren der Errichtungsphase galt es, die damals nagelneuen Einrichtungen so in Gang zu bringen, dass Wien auf dem Gebiet der Medizin mit dem Krankenhaus auf internationales Spitzenniveau gelangte.

"Wir haben jetzt 100.000 stationäre und 1,5 Millionen Ambulanzpatienten pro Jahr. Da kann man davon ausgehen, dass jeder Einwohner Wiens, Niederösterreichs und des Burgenlandes entweder selbst hier betreut wird oder er einen Angehörigen hat, der zu uns kommt", sagte der Mitte Dezember aus seinem Amt scheidende Direktor der Teilunternehmung "Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien - Universitätskliniken".

Freilich, das Wiener AKH hat durch die Kliniken der MedUni Wien eine Doppelrolle. "Forschung, Lehre und Patientenversorgung gehören zusammen. Die Stadt Wien fördert die Wissenschaft und die MedUni mit ihrer Lehre enorm", erklärte Krepler. Seit Jahrzehnten wird der Umstand kritisiert, dass MedUni Wien (Wissenschaftsministerium) und AKH (Gemeinde Wien) für den Betrieb des Spitals keine gemeinsame Betriebsführung etabliert haben. Legendär sind die Diskussionen über die Aufteilung der Kosten.

Der Wiener AKH-"Marathonmann", in der Freizeit ein passionierter Langstreckenläufer und Ausdauersportler, hat dazu eine durchaus pragmatische Meinung: "Die Situation hier mit MedUni Wien und AKH-Strukturen findet sich ähnlich auch in den Vereinigten Staaten und anderen Medizinuniversitäten und den angeschlossenen Universitätskliniken." Das sei nichts Außergewöhnliches. In absehbarer Zeit werde es in Wien eine Vereinbarung zu einer gemeinschaftlichen Führung durch Gemeinde Wien und MedUni Wien geben, eine weitere Etappe für eine zukunftsträchtige Ausrichtung der Institution.

Dabei hat das "neue" Wiener AKH in den vergangenen Jahrzehnten in mehrfacher Weise gerade auf organisatorischem und Qualitätsmanagement-Gebiet zahlreiche Pionierleistungen erbracht. "Bereits 1988 haben wir - erstmals für ein Großspital in Österreich - ein Controlling-System etabliert. Ein System, das nicht 'Kontrolle' bedeuten soll, sondern wirklich zur Steuerung des Krankenhauses beiträgt." 2008 wurde das Wiener AKH mit Forschung und Lehre nach der Norm ISO 9001 gesamtzertifiziert. Alle Abläufe werden damit transparent, nachvollziehbar und unterliegen einem kontinuierlichen und strukturierten Qualitätsmanagement.

"Hier arbeiten 9.500 Beschäftigte", sagte Krepler. Alle Berufsgruppen sollen auf gleichberechtigter Basis zusammenarbeiten. Das gelte für die gesamte Bandbreite der Berufe von Ärzten bis zu Pflegehelfern, technischem und Verwaltungspersonal. "Die Begeisterung soll darin liegen, den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen, der zu uns kommt."

Der mit 16. Dezember in den Ruhestand tretende AKH-Direktor ist selbst nach mehreren Systemen ausgebildeter Qualitätsmanager und auf diesem Gebiet national und international tätig. Qualitätsmanagement soll Fehler verhindern helfen, aber auch deren Aufarbeitung so gewährleisten, dass die Ursachen von Fehlern oder Beinahe-Fehlern behoben werden.

"Dass alle Beschäftigten hier immer alles richtig machen, ist wünschenswert, jedoch sind Fehler nicht ausgeschlossen. Aber wir setzen alles daran, dass es nicht systematisch zu Fehlern kommt. Und bei aufgetretenen Fehlern haben wir von Anfang an darauf gesetzt, sie aufzuarbeiten. Wir melden Fehler in der Patientenversorgung selbst der Versicherung, wir informieren Patienten und Angehörige unverzüglich. Beim kleinsten Verdacht, dass ein Vorgang strafrechtlich relevant sein könnte, erstatten wir selbst Anzeige", schilderte Krepler. Durch Offenheit und Hilfe für die Betroffenen schaffe man eine Atmosphäre des Vertrauens und könne an der Behebung entstandener Schäden ohne jeden Verdacht von Geheimnistuerei und Vertuschung arbeiten.

apa.at

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