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APA-Artikel 23. Oktober 2014

Nationalrat: Neue Ärzteausbildung beschlossen

Die Ärzteausbildung wird auf neue Beine gestellt. Das hat der Nationalrat Donnerstagmittag mit den Stimmen von Koalition, Grünen und Team Stronach beschlossen. Besonderen Anklang in der Debatte fand, dass künftig Allgemeinmediziner in einer Lehrpraxis quasi üben müssen. Allerdings hagelte es Kritik daran, dass diese Tätigkeit nur ein halbes Jahr ausgeübt werden muss.

Wer künftig Arzt in Österreich werden will, hat folgenden Weg vor sich: Nach dem Studium sind neun Monate Basisausbildung zum Erwerb klinischer Grundkompetenzen in den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie und Notfallmedizin vorgesehen. Danach muss sich der angehende Mediziner für eine allgemeinmedizinische oder fachärztliche Ausbildung entscheiden.

Für angehende Allgemeinmediziner gibt es dann 27 Monate Spitalspraxis plus mindestens sechs Monate Lehrpraxis in einer Ordination - in weiteren Ausbauschritten soll die Zeit in der Lehrpraxis auf mindestens zwölf Monate steigen. Für Fachärzte sind mindestens 27 Monate Sonderfach-Grundausbildung (abhängig von der Fachrichtung) plus 27 Monate Schwerpunktausbildung vorgesehen. 25 der 35 Stunden Kernausbildungszeit sind zwischen 7.00 und 16.00 Uhr zu absolvieren.

Weiters sieht der Entwurf vor, dass die Ausübung einer ärztlichen Tätigkeit in Österreich nicht mehr an die österreichische Staatsbürgerschaft bzw. an jene eines EU-Mitgliedslands oder einer EWR-Vertragspartei gebunden ist - ein Punkt, der vor allem den Freiheitlichen nicht gefällt.

FP-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein plädiert vielmehr dafür, gegen den Mediziner-Mangel Ärzte besser zu bezahlen, seien doch vor allem junge Allgemeinmediziner dazu verdammt, um Gottes Lohn zu arbeiten. Die Pflicht zur Lehrpraxis an sich befürwortete die Freiheitliche zwar, ärgerte sich aber, dass die Finanzierung dafür nicht gesichert sei. Genau das nahmen auch die NEOS zum Anlass, gegen das Gesetz zu stimmen. Denn für halbe Sachen stehe man nicht zur Verfügung, erklärte Gesundheitssprecher Gerald Loacker.

Nicht nur ihm geht im Gesundheitsbereich wieder einmal etwas zu langsam weiter. Die Grüne Gesundheitssprecherin Eva Mückstein sprach von einem "österreichischen Schildbürgerstreich", dass es eine Übergangsfrist von zwölf Jahren gebe, bis die Zeit in der Lehrpraxis von sechs auf zwölf Monate ausgedehnt wird.

Gesundheitspolitik entwickle sich eben in kleinen Schritten: "Die fällt nicht vom Himmel herunter", meinte dazu ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger und verteidigte die Reform ebenso wie sein roter SPÖ-Kollege Erwin Spindelberger, der eine Modernisierung der Ausbildung feierte. Auch Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) sieht einen gelungenen Kompromiss.

Marcus Franz, Gesundheitssprecher des Team Stronach, hält die Ausbildungsreform an sich für nicht schlecht, speziell, dass es zu den Lehrpraxen kommt. Aber auch er findet Punkte, die ihm deutlich verbesserungswürdig erscheinen, beispielsweise dass in der neunmonatigen Basisausbildung unmittelbar nach dem Studium vor allem die 15 häufigsten Krankheitsbilder (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Alzheimer/Demenz, Diabetes oder Durchblutungsstörungen des Gehirns) durchgegangen werden sollen: "Das ist, wie wenn der Zahnarzt nur den Oberkiefer aber nicht den Unterkiefer lernen würde."

apa.at

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