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APA-Artikel 23. Oktober 2014

Ex-Direktor von Genfer Uni-Spital richtete sich Luxusraum ein

Der ehemalige Direktor der Genfer Unispitäler (HUG), Bernard Gruson, hat sich 2010 in den Untergeschossen des Spitals einen luxuriösen Empfangsraum für über 330'000 Franken eingerichtet. Sein Nachfolger Bertrand Levrat liess den Raum Anfang 2014 abbauen. Gesundheitsdirektor Mauro Poggia hätte das Geld lieber in die Notfallabteilung investiert gesehen.

Über das "Carnotzet de luxe" hatte am Mittwoch die Zeitung "Tribune de Genève" berichtet. Als Carnotzet werden in der Romandie Räume in Weinkellern bezeichnet, in denen man mit Freunden Wein degustiert.

Der ehemalige Generaldirektor Gruson wollte im Carnotzet offizielle Besucher und Delegationen empfangen. Gemäss HUG wurde der Raum aber selten benutzt. Die auf 330'000 Franken budgetierte Einrichtung kostete schliesslich 337'324 Franken.

Wie Fotos zeigen, die von der "Tribune de Genève" veröffentlicht wurden, gab es im Raum eine Bar mit Alkoholausschank, Polstergruppen, einen kleinen Saal und eine Küche. Beim Nachfolger von Gruson kam das Carnotzet nicht gut an.

Seit dem Amtsantritt von Bertrant Levrat sei dieser Empfangsraum nie verwendet worden, teilte der Kommunikationsdienst der HUG der Nachrichtenagentur sda mit. Der neue Generaldirektor liess den Raum aufheben und die Einrichtung in andere Spitalräumlichkeiten bringen.

Der Raum dient wie ursprünglich als Garderobe für die Mitarbeitenden. Der Genfer Gesundheitsdirektor Mauro Poggia (MCG) befürwortet den Abbau des Carnotzets. Ein solcher Ort habe in einem Universitätsspital nichts zu suchen.

Die Ausgaben für den Empfangsraum scheinen gesetzeskonform erfolgt zu sein. Der Genfer Rechnungshof untersuchte die entsprechenden Rechnungen auf Antrag der Gewerkschaft der öffentlichen Dienste.

Der Bericht sei zwar noch nicht fertiggestellt, doch seien die Ausgaben offenbar ordnungsgemäss gewesen, sagte Poggia. Die Ausgabe finde sich unter der Rubrik "Bauarbeiten". "Man hätte Besseres mit dieser Summe tun können - etwa den Empfang des Notfalls verbessern", sagte Poggia.

Auch das Universitätsspital Lausanne (CHUV) verfügt über ein Carnotzet im Untergeschoss des Hauptgebäudes. Dieses könne von Mitarbeitenden für spezielle Anlässe beruflicher Natur gebucht werden, gab das CHUV auf Anfrage an. Das Carnotzet gebe es "schon immer".

apa.at

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