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APA-Artikel 22. Oktober 2014

Operieren wie am Fließband - Schon wieder ein Rekord

In deutschen Kliniken wird operiert wie am Fließband. Seit Jahren steigt die Zahl der medizinischen Eingriffe. Jetzt gibt es schon wieder einen Rekord. Sind 15,8 Millionen OPs zu viel?

Operationssäle gehören zu den teuersten Einrichtungen einer Klinik. Sie müssen ausgelastet sein, damit sie sich rechnen - dieser betriebswirtschaftliche Grundsatz gilt in Krankenhäusern ebenso wie für Flugzeuge oder Fabriken. Da liegt es nahe, den Operationsplan nach wirtschaftlichen und nicht in erster Linie nach medizinischen Grundsätzen aufzustellen. Die Beweislage ist jedoch schlecht.

Obwohl die Zahl der Krankenhäuser seit Jahren sinkt - im vergangenen Jahr unter 2000 -, wird nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Mittwoch mehr operiert als je zuvor: Rund 15,8 Millionen Mal unterzogen sich Patienten in deutschen Kliniken 2013 einem medizinischen Eingriff - gut 30 Prozent mehr als 2005. Sind alle diese Operationen notwendig? Ja, versichert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG).

Im Vergleich zu 2012 sei die Zahl der Operationen um 0,7 Prozent gestiegen: "Angesichts der demografischen Entwicklung ein moderater Anstieg, der die medizinisch unbestrittene Notwendigkeit der stationären Patientenversorgung unterstreicht", sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

42 Prozent der 2013 operierten Patienten waren laut Statistik älter als 65 Jahre. In dieser Altersgruppe gehörten Darm- und Hüftoperationen zu den häufigsten Eingriffen. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schätzt, dass lediglich ein Drittel der jährlichen Leistungssteigerungen auf den demografischen Wandel mit der wachsenden Zahl älterer Patienten zurückzuführen ist.

Aber wie lassen sich große regionale Unterschiede bei der Häufigkeit bestimmter Operationen erklären? Nach kürzlich veröffentlichten Studien der Bertelsmann Stiftung und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werden Mandel-Operationen bei Kindern, Blinddarm- und Prostata-Eingriffe in manchen Regionen Deutschlands bis zu achtmal öfter vorgenommen als andernorts. Beim Einsatz künstlicher Kniegelenke, bei Kaiserschnitten oder Gebärmutterentfernungen unterscheide sich die OP-Häufigkeit zwischen den Regionen um das Zwei- bis Dreifache. Rein medizinisch seien solche Unterschiede nicht zu erklären, meinen die Autoren.

Die Krankenkassen dringen seit längerem auf eine Neujustierung des Qualitätssicherungsverfahrens. Der Spitzenverband GKV hält die Zahl der Kliniken für nach wie vor viel zu hoch, eine Krankenhausplanung fehle völlig, hieß es dort am Mittwoch. GKV-Sprecher Florian Lanz sagte kürzlich, wenn Ärzte in einen Krankenhaus nicht durch ausreichend Patienten ausgelastet seien, bestehe ein höherer Anreiz, OPs eher aus finanziellen als aus medizinischen Erwägungen zu machen.

Wieviel Geld notwendig ist, um überhaupt operieren zu können, zeigt der unlängst eröffnete Neubau der Hochtaunuskliniken. Außer den rund 200 Millionen Euro reiner Baukosten für zwei Häuser in Bad Homburg und Usingen verschlang die Medizintechnik noch einmal 40 Millionen Euro. In Bad Homburg wird nach Angaben der Klinikleitung in zehn unterschiedlich ausgestatteten OP-Sälen operiert.

apa.at

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